07/28/2026
—Mach die Zigarette aus. Das Licht hier wirkt wie ein Flash von Nan Goldin. Es stellt unsere Augenringe und die dreckigen Laken bloß.
—Lass sie. Im Kino hattest du denselben verwirrten Blick wie Otto Sander, als er auf die Erde stürzte. Hat dir In weiter Ferne, so nah! wirklich nicht gefallen?
—Wenders ist weich geworden. Ich mochte das Berlin aus Der Himmel über Berlin lieber. Hier sucht er nach einer Erlösung, die für diese Stadt einfach zu sauber ist.
—Mir hat sie geholfen. Die Engel brechen sich lieber die Knie auf dem Asphalt, nur um überhaupt irgendwas zu spüren. Das ist keine Naivität, das ist Hunger.
—Echten Hunger hat Fassbinder gezeigt, nicht Wenders. Berlin platzt vor Spekulanten und Wichtigtuern, aber die Leute erfrieren drinnen trotzdem. Die Liebe ist zu einem Flüchtling geworden, auf der Flucht vor allem.
—Deshalb sind wir doch in diesem Bett gelandet, das nach abgestandenem Bier und Feuchtigkeit riecht. Um uns daran zu erinnern, dass noch nicht alles tot ist.
—Verkauf mir keine Märchen. Versprich mir was Echtes, auch wenn es dreckig ist. Versprich mir, dass du dich morgen nicht wie der Rauch in den Trümmern der Mauer auflöst.
—Ich verspreche dir die Wahrheit. Ich verspreche dir die Kälte des Morgengrauens, den Rauchhusten und dass ich zum Frühstück bleibe. Die Welt rennt vor der Liebe weg, weil sie ihr Schiss macht, aber ich verstecke mich nicht.
—Fass mich nochmal an. Ganz ohne Schnörkel. Lass uns vom Licht in all unserer Misere einfangen – und lass uns trotzdem entscheiden, keine Angst zu haben.
—Abgemacht. Bleib. So nah, dass es Angst macht.