15/08/2026
Das Mädchen mit der Kamera
Ich hatte sie immer dabei.
Bei Geburtstagen, Festen, Ausflügen, Begegnungen und all den kleinen Momenten, die es wert waren, festgehalten zu werden.
Ich war das Mädchen mit der Kamera.
Ich habe getragen, fotografiert, sortiert, bearbeitet und Erinnerungen bewahrt. Auf meiner Festplatte liegen unzählige Menschen, Geschichten und Augenblicke.
Nur eines fehlt darauf erstaunlich oft:
Ich selbst.
Während ich dafür gesorgt habe, dass andere Erinnerungen haben, bin ich auf vielen dieser Erinnerungen gar nicht zu sehen.
Vielleicht ist die Kamera deshalb irgendwann schwerer geworden. Nicht nur in meinen Händen.
Manchmal möchte ich einfach mittendrin sein. Nicht hinter der Kamera, sondern im Bild. Nicht nur diejenige sein, die festhält, sondern auch jemand, der festgehalten wird.
Deshalb bleibt sie inzwischen öfter zu Hause.
Nicht, weil ich sie nicht mehr liebe.
Sondern weil ich gelernt habe, dass auch mein Leben und unser Leben Erinnerungen verdient.
Und trotzdem wird meine Kamera immer
ein Teil von mir bleiben.
Für die Menschen, die mir wichtig sind.
Für mein Leben.
Für die kleinen Momente, die bleiben sollen.
Denn vielleicht geht es beim Fotografieren am Ende gar nicht darum, möglichst viele Erinnerungen festzuhalten.
Sondern darum, darauf zu achten, selbst Teil der Erinnerungen zu sein.