18/05/2026
Die verpatzte Begrüßung – Wie wir unbewusst Grenzen überschreiten
Findest du dich in diesem Szenario wieder? Du kommst voller Vorfreude zum Paddock oder zur Weide, rufst dein Pferd oder gehst direkt zu ihm hin. Am liebsten würdest du es sofort umarmen oder streicheln. Doch manchmal merkst du, dass dein Pferd den Kopf leicht wegdreht oder minimal zurückweicht.
Es ist völlig natürlich, dass wir unsere Freude und Zuneigung zeigen wollen. Doch aus Sicht des Pferdes treten wir in diesem Moment ungefragt in seine Intimzone ein. Pferde empfinden diese menschliche Aufdringlichkeit als Verletzung ihrer Komfortzone. Sie tolerieren dieses Verhalten von uns meistens nur, weil sie unsere freundliche Absicht spüren.
Bei den Wildpferden läuft eine Begrüßung völlig anders ab. Sie stürmen niemals frontal aufeinander zu, um sich direkt zu berühren. Sie halten zunächst Abstand, machen sich sichtbar und fragen über feine Signale nach dem Stimmung des anderen.
Erst wenn das Gegenüber ein echtes Zeichen der Bereitschaft gibt, erfolgt der eigentliche Kontakt. Diese Höflichkeit sichert den Frieden in der Gemeinschaft. Dazu kommt eine entscheidende Sache: Pferde unterscheiden genau, ob es sich um ein Mitglied der eigenen Herde handelt oder um ein Tier aus einer fremden Gruppe.
Eine echte Begrüßung auf „Pferdeart“ können wir also gar nicht so einfach eins zu eins nachahmen. Was wir aber als Vorbild nehmen können, ist die respektvolle Kontaktaufnahme unter Pferden, die sich bereits gut kennen und eine gefestigte Beziehung zueinander haben – genau wie wir zu unserem Pferd.
Idee: Wenn du dein Pferd das nächste Mal besuchst, bleibe bewusst in einigen Metern Entfernung stehen. Mache dich ruhig bemerkbar, nimm die Grundenergie deines Pferdes wahr und warte ab, ob es von sich aus den Kontakt zu dir sucht. Beobachte dabei möglichst genau, wie dein Pferd sich dir annähert.
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