17/07/2025
Wahrheit die tanzt.
Heute morgen bin ich stehen geblieben. An einem alten Gefühl, das ich kenne. Paradoxerweise war bis dato die klarste Erinnerung daran, der nächste Morgen, das bunte Erwachen nach einer durchzechten Nacht. „Scheiße, was hab ich getan!“. Scham.
Aber heute war es nüchtern. Nüchtern, und wesentlich älter als eine Nacht. Ich hab es eingeladen, dieses Gefühl. Ich war neugierig und bereit hinzuschauen. Und plötzlich war da diese Erinnerung. Lisa - vielleicht 6 oder 7 Jahre alt - im Spielzeughaus sitzend. Hände versunken im Sand, wohinein die Gedanken wahrscheinlich mit versackt sind. Ich erinnere mich genau! Ich habe lauthals gesungen! Meine Fresse, war ich laut! Das waren keine Worte, das war mein Herz was ich da in die Welt geworfen hab! Sieh mich an Welt, hör genau hin! Das bin ich!
Die Erinnerung reicht bis zu dem Moment, als in dem kleinen Holzfenster des Hauses aus dem Nichts ein Junge auftaucht, mich angewidert anblickt und von mir fordert dass ich aufhöre mit der Scheiße. Er lacht. Und dann verschwindet er wieder.
Scham.
Nunja, jetzt bin ich erwachsen. Jetzt weiß ich Dinge besser. Trotzdem seh’ ich noch die kleine Lisa in diesem Haus sitzen, und ich würde sie gerne in den Arm nehmen und ihr sagen: „Dein Lied ist schön! Sing weiter!“
Als ich dann später heute auf dieses Foto aus dem Kindergarten gestoßen bin, musste ich schon wieder stehen bleiben. Sofort! Ich weiß nicht genau was es ist, aber da liegt auch irgendwas von mir selber drin. So viel Wahrheit.
Wahrheit die tanzt.