10/01/2024
Jurypreis 2023 | Kategorie Profis - Robert Rutöd
Serie: „Berg der Kreuze“
Der baltische Himmel dehnt sich in unendliche Weiten – ebenso das Grün der Wiesen. Inmitten dieser weitläufigen Landschaft im Norden von Litauen erhebt sich ein kleiner Hügel. Man nennt ihn Berg der Kreuze. Ein Wallfahrtsort von einzigartiger Symbolik. Es ist Sonntag und die Pilgerstätte gut besucht. Man sagt, es bringe jemandem Glück, wenn man an diesem Ort ein Kreuz hinterlässt. Und entsprechend viele Devotionalien kann man hier kaufen.
Sobald man den Berg betritt, erschließt sich eine bizarr anmutende Welt. Kreuze, wohin der Blick fällt. Manche sind aus Holz gefertigt, andere aus Metall oder Plastik. Ebenso unterschiedlich wie die Materialien sind die jeweiligen Ausführungen. Kunstvoll verzierte Modelle finden sich neben einfach zusammengezimmerten Exponaten. Große Kreuze sind mit Hunderten kleineren behangen.
Die vom Wetter gezeichneten Figuren hängen oft nur noch am sprichwörtlich seidenen Faden an den Kruzifixen und mahnen an jene Litauer*innen, die während der Zar- und Sowjetherrschaft ermordet und deportiert wurden. Für ihre Unabhängigkeit mussten diese Menschen Jahrhunderte lang kämpfen. Ähnlich wie in Polen nahm auch in Litauen die römisch-katholische Kirche eine politische Rolle ein und stellte eine mächtige Oppositionskraft dar.
Anfang der 1960er Jahre fuhren die Sowjets mit Bulldozern auf, die Kreuze wurden niedergewalzt und verbrannt. Doch bereits in den darauffolgenden Nächten wurden von der Bevölkerung neue errichtet und der Ort wurde zum Symbol des nationalen Widerstands. Das Ringen um den Berg sollte letztendlich länger als zwanzig Jahre dauern: Die Sowjets gingen, die Kreuze blieben.
1. Freiluft-Gottesdienst
2. Freiluft-Beichte
3. Verkauf von Holzkreuzen
4. Holzkreuz mit Rosenkränzen
5. Holzfigur Jesus trägt Kreuz
6. Verwittertes Kreuz
7. Mannshohe Holzfigur Jesus
8. Verwitterte Christus-Figur
9. Kreuz mit doppelter Christus-Figur aus Metallguss
10. Unzählige Kreuze säumen den Weg