02/10/2026
🔴 Galeria stellt erneut Insolvenzantrag – 12.000 Beschäftigte bangen um ihre Zukunft
Foto: Berthold Stamm | Bilderdienst 02.09.2026
Für viele Menschen gehört ein Kaufhaus von Galeria seit Jahrzehnten zum Bild ihrer Innenstadt. Man ging dort einkaufen, traf sich, stöberte durch die verschiedenen Abteilungen oder holte noch schnell ein Geschenk. Karstadt und Kaufhof waren über Jahrzehnte feste Größen im deutschen Einzelhandel.
Jetzt steht Galeria erneut vor einer ungewissen Zukunft.
Die Warenhauskette hat am heutigen Freitag beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Es ist bereits der vierte Insolvenzantrag innerhalb von nur sechs Jahren – nach den Verfahren 2020, 2022 und 2024. (tagesschau.de)
Noch bleiben die Türen offen.
Der Geschäftsbetrieb in den 83 verbliebenen Galeria-Warenhäusern soll zunächst weiterlaufen. Bundesweit arbeiten dort rund 12.000 Menschen. Was mit ihren Arbeitsplätzen passiert und welche Standorte langfristig eine Zukunft haben, ist derzeit allerdings offen. (tagesschau.de)
Und genau diese Ungewissheit sorgt bei den Beschäftigten für große Sorgen.
🏬 Was ist passiert?
Galeria selbst erklärt, das Insolvenzverfahren solle den rechtlichen Rahmen schaffen, um die aktuelle Situation zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen.
Zu den konkreten Gründen für den erneuten Insolvenzantrag machte das Unternehmen zunächst keine weiteren Angaben. (n-tv.de)
Dabei hatte sich die angespannte Situation bereits seit Monaten abgezeichnet. Im Frühjahr gab es Berichte über Probleme bei Mietzahlungen und Lieferanten. Im Juni wurde Galeria ein Kredit von bis zu 160 Millionen Euro gewährt. Im Sommer kündigte das Unternehmen zudem an, 33 der damals 83 Standorte überprüfen zu wollen. (DIE WELT)
Nun kommt der nächste Insolvenzantrag.
🔴 ver.di fordert Antworten
Die Gewerkschaft ver.di reagierte heute ebenfalls.
Silke Zimmer, für den Handel zuständiges Mitglied des ver.di-Bundesvorstands, erklärte, die Beschäftigten hätten die erneute Insolvenz bereits befürchtet. Die Gewerkschaft fordert von Galeria schnelle Aufklärung darüber, wie es weitergehen soll.
Zimmer kritisiert dabei unter anderem wiederholte Managementfehler und fehlende nachhaltige Investitionen. (Presseportal)
Auch der Gesamtbetriebsrat fordert vom Management umfassende Aufklärung über die aktuelle Lage. Den Angaben zufolge wurde bereits ein Fragenkatalog an den Vorstand übermittelt. Betriebsrat und Wirtschaftsausschuss wollen die kommenden Schritte begleiten und sich für den Fortbestand des Unternehmens und den Erhalt der Arbeitsplätze einsetzen. (DIE WELT)
❓ Und was bedeutet das für die Innenstädte?
Die erneute Insolvenz ist nicht nur eine Nachricht über ein Unternehmen.
Sie wirft auch eine grundsätzliche Frage auf:
Was bleibt vom klassischen Warenhaus?
Viele Innenstädte haben in den vergangenen Jahren bereits ihre großen Kaufhäuser verloren. Filialschließungen hinterlassen häufig riesige Leerstände mitten in den Zentren. Gleichzeitig kämpfen stationäre Händler mit Onlinehandel, hohen Kosten und einer veränderten Einkaufswelt.
Galeria ist inzwischen die letzte große Warenhauskette dieser Art in Deutschland.
Und deshalb geht es bei diesem Insolvenzverfahren nicht nur um Bilanzen und Sanierungspläne.
Es geht um 83 Standorte, rund 12.000 Beschäftigte und um die Frage, ob das große Warenhaus in Deutschland noch eine Zukunft hat.
Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beginnt nun erneut eine Zeit des Wartens und der Unsicherheit.
Noch sind die Türen offen. Wie lange das so bleibt, wird sich erst im weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens zeigen.
📷 Unser aktuelles Foto zeigt die Galeria-Filiale in Dresden.
Die 83 verbliebenen GALERIA-Standorte:
Aachen · Aschaffenburg · Bad Homburg · Bad Kreuznach · Bamberg · Bayreuth · Berlin (6) · Bochum · Bonn · Braunschweig · Bremen · Darmstadt · Dortmund · Dresden · Duisburg · Düren · Düsseldorf (2) · Erfurt · Erlangen · Euskirchen · Frankfurt · Freiburg (2) · Fulda · Gießen · Goslar · Göttingen · Hamburg (3) · Hannover · Heidelberg · Heilbronn · Karlsruhe · Kassel · Kiel · Kleve · Koblenz · Köln (3) · Konstanz · Landshut · Leipzig · Limburg · Lörrach · Lüneburg · Magdeburg · Mainz · Mannheim · Memmingen · Mülheim · München (4) · Münster (2) · Nürnberg · Oberhausen · Offenburg · Oldenburg · Potsdam · Regensburg · Rosenheim · Rostock · Saarbrücken · Singen · Speyer · Stuttgart · Sulzbach · Trier · Ulm · Viernheim · Wiesbaden · Wismar · Würzburg.
Stand: 2. Oktober 2026. Die Filialzahl und die Zukunft einzelner Standorte können sich im laufenden Insolvenzverfahren ändern.