05/06/2017
Einen Monat auf Mellum
Seit gut zwei Wochen bin ich als Naturschutzwart auf der Insel Mellum für den Verein Mellumrat im Einsatz. Die kleine Insel liegt nördlich des Jadebusens im Niedersächsischen Wattenmeer und ist nicht öffentlich zugänglich. Mellum gilt generell als unbewohnt. Hier gibt es ein Haus, welches im Sommer von den Naturschutzwarten bewohnt wird. Grad sind wir zu Viert. Das Leben auf der Insel ist außergewöhnlich. Hier gibt es kein fließend Wasser. Das macht alles ein wenig komplizierter. Trinkwasser müssen wir mühsam von einer kleinen Linse abpumpen. Wasser zum Waschen etc. muss ebenfalls mit der Hand gepumpt werden, somit wird das Wasser wieder zur knappen und äußerst wertvollen Ressource, wie man es in Deutschland eingentlich nicht gewohnt ist. Alle zwei Wochen kommt ein kleines Schiff mit Lebensmitteln, die wir vorher bestellen. Also müssen wir 14 Tage im voraus planen. Spontanität beim Kochen und bei der Ernährung fällt somit auch weg. Strom ist jedoch voll verfügbar, da hier ein Stromkasten für die Leuchttürme der Umgebung steht. Dort dürfen wir abzapfen. Internet gibt es nur über das mäßig gute mobile Netz.
Es lässt sich hier trotzdem sehr schön Leben. In Mitten von totaler Natur, dem Gekreische der Möwen und der Zeitlosigkeit der Insel, nimmt man die erschwerten Bedingungen gerne in Kauf. Belohnt wird man mit einem sehr entspannten, aber durchaus aufregendem Leben. Mit Vogelzählungen, Möwenküken-Monitoring, Vogelzugbeobachtungen, Müllkartierungen und der Instandhaltung des Hauses und des Gartens, gibt es durchaus genug Abwechslung, wodurch der Alltag nicht langweilig wird. Den Peak des Frühjahres-Vogelzugs, haben wir zwar schon hinter uns, trotzdem findet ein reger Wechsel der Singvögel auf der Insel statt. Unteranderem haben wir auch den Brutbestand der Silber- und Heringsmöwen erfasst und die Jungvögel Deutschlands größter Löfflerkolonie, momentan befinden sich c.a. 600-700 Löffler auf der Insel, beringt.
Das Bild zeigt einen der alten Bunker, auf dem heute ein Beobachtungsturm steht. Im zweiten Weltkrieg wurde im Süden der Insel ein kleiner Teil eingedeicht, wo auch heute das Haus steht, um ihn Sturmflutsicher zu machen. Die N***s haben damals einige FLAG-Geschütze aufgestellt und die Insel bewohnt. Nach dem Krieg sprengten die Alliierten die Bunker, einige aber nicht erfolgreich. Daher seht ihr auf dem Foto eine Betonplatte, die früher eine Bunkerdecke war. Heute erstreckt sie sich, angelehnt an einer kleineren Platte, wie ein umgedrehtes V in die Höhe.
Historisch ist die Insel also äußert interessant, die Spuren des Krieges sind allgegenwärtig. Unsere Toilette befindet sich beispielsweise in einem Teil eines Bunkers und am Strand finden sich immer wieder alte verrostete Werkzeuge aus Kriegszeiten.
Zwei Wochen habe ich noch auf dieser spannenden Insel, wobei ich mir sicher bin, für Zählungen oder Kartierungen wieder zu kommen.