30/01/2026
Für den habe ich den wohnungslosen Paul, 20, einen Nachmittag lang in Würzburg begleitet. Paul stammt aus Brandenburg. Als kleines Kind wurde
er von seiner Mutter weggegeben, sein Vater saß damals schon im Gefängnis. Es folgte eine Kindheit und Jugend in Wohngruppen. Als Volljähriger verließ Paul seine damalige Wohngruppe und kam
vorübergehend bei Bekannten in Würzburg unter. Als dies nicht mehr funktionierte, landete er in der unterfränkischen Stadt zum ersten Mal auf der Straße. Heute ist sein Zuhause das "Underground" am Würzburger Hauptbahnhof, eine Anlaufstelle, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ohne festen Wohnsitz an sechs Tagen in der Woche einen sicheren Ort bietet, an dem sie zur Ruhe kommen, sich unterhalten und das Internet
nutzen können. Das "Underground" dient auch als Schnittstelle zwischen Ämtern, Eltern und Jugendlichen, zwischen Straße und Wohnung. Dort nahm sich Leiter Stefan Seehaber, 49, Paul an. Der Street Worker half dabei, Paul von der Straße zu kriegen, ihm eine Einzimmerwohnung in einem Wohnprojekt und eine Ausbildung in einer Qualifizierungswerkstatt für Jugendliche zu
vermitteln. Doch die Angst, irgendwann wieder auf der Straße zu landen, bleibt Pauls treuester Begleiter. Er würde sich gerne eine Kamera kaufen, um bessere Fotos machen zu können. Auf seinem Handy finden sich
tausende Bilder. Doch mit dem wenigen Geld, das ihm zur Verfügung steht, musste er jüngst seine kaputte Winterjacke ersetzen. Eine Kamera hält ihn nicht warm, sollte Paul wieder auf der Straße landen.
Die Bilder zeigen Paul auf und nahe der Alten Mainbrücke im Würzburg, mit seinem Bekannten Dean, Straßensozialarbeiter Stefan Seehaber mit der wohnungslosen Ana-Maria Carmen vor dem Würzburger Hauptbahnhof und Paul, wie er seine Fotos auf seinen Handy zeigt.
Herzlichen Dank an Fotoredakteurin Gesche Wendt für diesen unvergesslichen Auftrag.
Die starke Reportage von Autorin und meine Bilder findet Ihr in der aktuellen Ausgabe des