16/06/2026
Ich war am Samstag endlich mal wieder Gast auf einer Hochzeit und habe festgestellt: Ich bin als normaler Mensch für Hochzeiten leider nicht mehr vollständig geeignet. Also wirklich.
Ich war eingeladen. Als Gast. Ohne Kamera. Ohne Auftrag. Ohne Verantwortung. Ohne dass irgendjemand von mir erwartet hat, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin.Theoretisch hätte ich einfach essen, trinken, lachen und emotional werden können.
Theoretisch.
Praktisch saß ich da wie eine Frau, die zwar frei hat, deren Gehirn aber leider vergessen hat, den Dienstmodus zu deaktivieren. Ich sehe Licht und denke nicht: „Oh schön, Sonne.“
Ich denke: „Bitte nicht direkt von oben, sonst sind gleich alle Augenhöhlen dunkel wie meine Seele nach der Steuererklärung.“ Ich sehe eine Umarmung und meine rechte Hand zuckt kurz, als würde sie nach einer Kamera greifen, die gar nicht da ist. Ich sehe einen emotionalen Moment und denke: „Oh Gott, wie schön.“
Und direkt danach:„Hoffentlich hat das jemand festgehalten.“
Es ist schlimm mit mir.
Ich kann nicht mal entspannt irgendwo sitzen, ohne automatisch die Umgebung zu scannen.
Wo ist das Brautpaar?
Wer weint gleich?
Wer lacht zu laut?
Wo steht die Oma?
Welches Kind wird in den nächsten sieben Sekunden durchs Bild rennen?
Warum denke ich überhaupt über Bilder nach? Ich habe doch gar keine Kamera dabei. Berufskrankheit. Ganz klar.
Ich wollte wirklich einfach nur Gast sein.
Ein Mensch mit vollem Glas, unbequemen Schuhen und dem festen Vorsatz, nicht bei jedem schönen Moment innerlich „KLICK“ zu machen.
Hat mittelgut funktioniert.
Aber es war auch schön, Hochzeiten mal wieder von der anderen Seite zu erleben. Nicht durch den Sucher.
Nicht mit Zeitplan im Kopf. Sondern einfach mittendrin.
Zwischen Lachen, Musik, Umarmungen, Essen, Gesprächen und diesem kleinen warmen Gefühl, das Hochzeiten eben auslösen, wenn zwei Menschen sich anschauen und man denkt:Ach.
Liebe ist schon ziemlich schön.
Auch ohne Kamera in der Hand.
Oder sagen wir: Fast. 😄
Was ist eure Berufskrankheit? Ich sammle aus rein wissenschaftlichen Gründen.