16/06/2026
Lichtenberg: Die Verkehrssicherheit an der Einmündung „Oberdorf“ zur B8 ist für viele Menschen in Hennef-Lichtenberg ein wichtiges Anliegen. Die Bürgerinitiative „Sichere B8 Hennef-Lichtenberg“ hat deshalb offiziell einen Bürgerantrag nach § 24 GO NRW eingereicht. Eine begleitende Petition unterstützen bereits mehr als 1.340 Menschen, davon über 75 Prozent aus Hennef. Für die Initiative belegt das den breiten Rückhalt in der Bevölkerung und die Dringlichkeit des Themas. Grundlage des Antrags ist die in der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung verankerte „Vision Zero“. Ihr Ziel ist es, schwere und tödliche Verkehrsunfälle möglichst zu vermeiden. „Wir fordern daher ein vorausschauendes Handeln in der Verkehrsplanung, bevor Unfallzahlen kritische Grenzwerte erreichen“, erklären die Sprecher der Bürgerinitiative, Annette Lipinski und Sebastian Schiefer.
Bei einem Vor-Ort- und Pressetermin wurden der aktuelle Sachstand und mögliche kurzfristige Maßnahmen besprochen. Dazu gehören insbesondere eine Querungshilfe, bessere Beleuchtung, zusätzliche Markierungen und mögliche Tempoanpassungen. Um die Situation besser einzuschätzen, wurde außerdem der Kreuzungs- und Haltestellenbereich gemeinsam begangen.
Jochen Breuer, Leiter des Ordnungsamts der Stadt Hennef, berichtete, dass Stadtrat und zuständige Ausschüsse das Thema bereits auf die Agenda gesetzt haben. Anschließend erläuterte er die wichtigsten Punkte.
• Geschwindigkeitsbegrenzung: Nach den formalen Vorgaben der Behörden reichen die bisherigen gleichartigen Unfälle nicht aus, um eine Temporeduzierung von 70 auf 50 km/h zu begründen. Es müssen im Jahr jeweils drei verschiedenartige Unfälle, z. B. 3 x Auffahrunfall, 3 x Unfall wegen Missachtung der Vorfahrt oder 3 x Unfall mit Personenschaden etc. , diese liegen für die beiden Gefahrenstellen an der B8 nicht vor. Auch die städtischen Messungen zeigen laut Stadt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp über 70 km/h, dabei sind die langsamen und schnellen fahrenden Fahrzeuge mit enthalten. Für stationäre Blitzanlagen gelten ebenfalls hohe rechtliche Hürden vor Gericht, was dazu führte, dass die „Blitze“ auf der A3 am Heumarer Dreieck abgebaut werden musste, weil das Gericht hier Profitmacherei vermutete. Zudem hat Breuer darauf hingewiesen, dass eine niedrigere Geschwindigkeit den Verkehrsfluss durch einen Ziehharmonika-Effekt verlangsamt wird, durch periodisches Stauchen und sich wieder auseinanderziehen des Verkehrs.
• Busverkehr und Haltestelle: Eine Einbahnstraßenregelung im Bereich Oberdorf wurde bereits geprüft. Für die Buslinie 522 würde sie jedoch längere Fahrzeiten verursachen, weil sie eine Schleife fahren müsste (von Uckerath kommend in die Oberdorfstraße zurück auf die B8 an der Lichtenberger Straße) und so Bahnanschlüsse gefährdet. Die RSVG hat die Situation bereits simuliert und hält diese Lösung für keine Option. Für die Bushaltestelle an der B8 hat die Stadt einen Eilantrag im Rahmen eines Förderprogramms gestellt, ausgelöst durch einen Personenunfall an der Haltestelle, der aber nach Polizeiermittlungen wegen Nutzung von Technik verursacht wurde. Vorgesehen sind unter anderem eine Querungshilfe und Beleuchtung; eine Entscheidung wird bis Jahresende erwartet. Vorsichtshalber wurden zwei Optionen dem Antrag beigefügt, um Zeit zu sparen, falls einer nicht machbar ist.
• Leistungsfähigkeit des Verkehrsknotens: Die Stadt will für die Kreuzung B8/Oberdorf eine Leistungsfähigkeitsprüfung für eine mögliche Ampelanlage veranlassen. Es ist eine neue Möglichkeit, Maßnahmen zu prüfen und wird hier im Rhein-Sieg-Kreis zum ersten Male beantragt. Ein Ingenieurbüro bewertet dabei den Verkehrsfluss auf einer Skala von A bis F; Stufe D gilt noch als ausreichend. „Eine Ampelanlage wird aber zu längeren Wartezeiten für die Fahrzeuge aus der Oberdorfstraße von ca. vier Minuten bedeuten, da die B8 Vorrang hat“, gibt Breuer zu bedenken. Sollte eine Ampellösung nicht leistungsfähig sein, könnte eine Einbahnstraßenregelung im Oberdorfweg wahrscheinlicher werden.
Unterstützung versprachen die anwesenden Poltiker.
Landtagsabgeordneter Björn Franken betonte, dass die Situation nicht isoliert betrachtet werden dürfe. Entlang der B8 gebe es mehrere gefährliche Stellen, weshalb Maßnahmen im Zusammenhang geprüft werden müssten. Er kündigte an, sich schriftlich an die Bezirksregierung zu wenden und eine Besichtigung vor Ort anzuregen.
Auch Bundestagsabgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker sprach sich dafür aus, die bekannte Gefahrensituation vor Ort stärker in den Mittelpunkt der Argumentation zu rücken. Niedrige Unfallzahlen bedeuteten nicht zwangsläufig, dass keine Gefahr bestehe; sie könnten auch daran liegen, dass Anwohnerinnen und Anwohner die Risiken kennen und besonders vorsichtig fahren.
Für Sebastian Schiefer ist entscheidend, die Situation stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und auf die Risiken aufmerksam zu machen. Zu dem Ortstermin kamen mehr als 30 Personen, darunter auch Vizebürgermeister Max Heller, der Lichtenberg im Stadtrat vertritt.