05/12/2020
G E W A L T I G
In der aktuellen DIE ZEIT ist ein großer Artikel über Gewalt gegen Kinder. "Schlag mich nicht!" ist der Titel, und er ist sehr lesenswert, auch wenn es wehtut.
Gewalt gegen Kinder zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Dabei geht es nicht nur um das Verprügeln mit dem Gürtel, sondern auch um seelische Gewalt, wie Liebesentzug oder wochenlanges Anschweigen.
Das Denken in Hierarchien lieben wir Menschen einfach. Ich oben, Du unten, alles ganz simpel! Leider nein. Kinder sind vollwertige Menschen. Sie befinden sich nur in einer anderen Entwicklungsphase als wir Erwachsenen. Sie haben ein Recht auf gewaltfreie, liebevolle Begleitung.
Im Artikel ist die Rede von Erziehung als Machtgefälle, von Hilflosigkeit und dem Wunsch, aus Konfrontationen als Sieger hervorzugehen. Das kommt mir alles sehr bekannt vor. Leider.
Denn was ich so bemerkenswert an dem Artikel finde, ist, dass es so gewaltige Parallelen zu unserem Umgang mit Hunden gibt.
Kinder und Hunde haben gemeinsam, dass sie nicht frei sind in ihren Entscheidungen. Sie können nicht ihr Köfferchen packen und gehen. Sie haben keine Wahl. Sie sind uns auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.
Bei unseren Hunden kommt erschwerend hinzu, dass sich nach wie vor das ebenso hartnäckige wie falsche Gerücht hält, dass Hunde in streng hierarchischen Strukturen leben würden, bei denen der Rudelführer allen anderen auf den Sack haut. Stimmt nicht, ist vielen aber Wurscht und wird ja leider auch immer noch fleißig propagiert. Weil es halt einfach ist, Verbote aufzustellen und Übertretungen zu sanktionieren. Weil es anstrengend sein kann, unterschiedliche Bedürfnisse zu verstehen und zu erfüllen oder eben für Kompromisse zu sorgen, wenn man sie nicht stillen kann. Bei Hunden wie bei Kindern sind wir gefordert, uns Gedanken zu machen, uns einzufühlen, zu verstehen, statt zu werten.
Jeder Mensch macht Fehler, Geduld ist endlich und ich bin gewiss keine Heilige. Ne, mir gehen auch mal die Nerven durch, ich bin ungerecht zu meinen Liebsten oder ungeduldig mit meinem Hund. Aber am Ende des Tages gräme ich mich, weil keiner etwas dafür kann, wenn wir überfordert sind. Es ist an uns Erwachsenen, uns Hilfe zu holen, wenn wir nicht mehr weiter wissen. Das gilt für alle Lebewesen, die uns nahestehen. Und ganz besonders für die, die von uns abhängig sind.
Hier geht's zum Artikel in DIE ZEIT:
https://www.zeit.de/2020/49/gewalt-gegen-kinder-corona-krise-erziehung-kindesmisshandlung
Und hier zum Beitrag, weshalb Strafen in der Hundeerziehung keine gute Idee sind:
https://www.weltstadt-mit-hund.de/strafe-im-hundetraining-spruehhalsband-wurfkette-schuettelbox/
Foto: Tollste Steffi Atze Fotografie ♥