05/01/2026
Winter 1978/79 in Hamburg
Es ist ein Wintereinbruch, den diejenigen, die ihn erlebt haben, wohl nie vergessen werden. Am Morgen des 28. Dezember 1978 liegt die Temperatur noch bei etwa zehn Grad über Null - typisches Weihnachtstauwetter. Dann ändert sich das Wetter schlagartig: Über Norddeutschland legen sich eisige Luftmassen von bis zu 47 Grad minus und feuchtwarme Atlantikluft übereinander. Ab dem Nachmittag stürzen die Temperaturen um bis zu 30 Grad Celsius. Es beginnt heftig zu schneien, vielerorts tobt gleichzeitig ein schwerer Sturm. Zum Jahreswechsel 1978/79 versinkt der Norden Deutschlands im Schnee. Verwehungen türmen ihn teils mehrere Meter hoch auf. (Text: NDR)
Ende Dezember hatte ich Dienst auf dem Stw Berliner Tor Btb und erlebte den Wintereinbruch hautnah. Der Regen verwandelte sich in Eisregen, später in Schnee. Meine Formsignale wollten nicht mehr so recht arbeiten, das Einfahrsignal aus Richtung Rothenburgsort war eingefroren, also Zs1 benutzen. Stellwerkstechnik war E43. Am nächsten Tag verwandelte sich der Bahnhofsbereich in eine Schneelandschaft, aber es wurde noch mit der S-Bahn gefahren. Meine Kollegin von der Aufsicht kam an dem Tag dann etwas später weil die Züge von Rotenburg/Wümme verspätet waren. Mein Spind war inzwischen mit Verpflegung vollgepackt, Mittags wurde dann gekocht und in einer Zugpause das Essen zum Bahnsteig gebracht, die S-Bahnen fuhren unregelmäßiger, irgendwann schickte ich den letzten Zug auf die Reise nach Bergedorf, die Schneewehen waren oft zu hoch für die S-Bahn, die Stromschienen waren zugeweht. In Hamburg Hbf stand der D 331 nach Berlin, als Unterstützung kam mein Abteilungsleiter auf das Stellwerk, ich konnte einige Weichen fegen und vom Stellwerk wurden sie probeweise gestellt. Danach konnte dann der D 331 nach Berlin durchfahren, diente mit der Diesellok auch als Schneepflug. Später fuhr eine V100 als Schneepflug im Pendelverkehr. Hinweis: Auf der Strecke Berliner Tor bis Aumühle war damals Mischbetrieb mit S-Bahn, Personenzügen und Güterzügen. Später fuhren im Abschnitt Berliner Tor - Bergedorf-Auhmühle Ersatzgarnituren mit Vt 601, 1 IC-Park und 1 Silberlingspark, gewendet wurde am ehem. Fernbahnsteig Berliner Tor Gleis 13 (eingleisiger Abschnitt nach Hamburg Hbf -Hzf-) als Sperrfahrt. Viele reisende freuten sich, konnte man doch in den Zügen rauchen, gerne hätten sie auch den Speisewagen bewirtschaftet.
Im Bereich Hamburg Hbf feierten wir den Jahreswechsel auf dem Bahnsteig in der Aufsicht. Als der Schneefall nachließ wurde der Betrieb auf der S-Bahn teilweise wieder aufgenommen, zum Einsatz kamen mit Dieselloks bespannte S-Bahnzüge. Gefahren wurde Hamburg Hbf - Hmb.-Altona mit BR 212 vor S-Bahn BR 471, Hamburg Hbf - Pinneberg mit BR 291 (aus Maschen) vor S-Bahn BR 470. Die Dieselloks befanden sich auf beiden Enden. Eingefrorene S-Bahnen wurden in das Tunnelgleis nach Landungsbrücken / Baugleis nach Reeperbahn gefahren. Zwischen Hamburg Hbf und Ohlsdorf fuhren keine Züge mehr, aber die U-Bahn fuhr. Ich dürfte als Lotse Dieselloks nach Ohlsdorf begleiten da die Lokführer nicht Streckenkundig waren. Zwischen Ohlsdorf und Poppenbüttel verkehrt 1 Vt 08 als Ersatz, in Poppenbüttel standen die S-Bahnzüge eingeschneit in der Abstellanlage.
Später, als der Verkehr wieder normal lief wurden wir über das damalige Amtsblatt der BD Hamburg angewiesen doch bitte wieder die Betriebsvorschriften zu beachten. Entstanden sind sehr viele Fotos, nur leider nicht auffindbar nach 3 Umzügen.