29/06/2026
Kita-Fotografie ist einer dieser Jobs, bei denen viele denken: Ach, wie schön. Den ganzen Tag süße Kinder fotografieren.
Spoiler; ist es leider selten.
Manche Kinder sind schüchtern und brauchen Zeit… Manche rennen vor mir weg, drehen sich im Kreis, klettern irgendwo drauf oder beschließen, grundsätzlich nichts zu machen, worum man sie bittet.
Und das ist völlig okay, denn sie sind noch klein.
Genau dafür bin ich da. Ich albere herum, mache Tiergeräusche, spiele mit ihnen & warte geduldig um den einen Moment zu erwischen, in dem sie einfach sie selbst sind.
Was viele nicht sehen: Währenddessen läuft in meinem Kopf permanent eine Checkliste.
Wo steht die Sonne? Bekomme ich gleich harte Schatten unter den Augen? Oder brennt mir das Gesicht komplett aus? Wo finde ich den nächsten Schatten? Was passiert im Hintergrund? Läuft dort gerade ein anderes Kind durchs Bild? Steht da ein knallrotes Bobbycar, ein Mülleimer oder ein Klettergerüst, das plötzlich aus dem Kopf wächst? Und wenn ich jetzt einen besseren Platz finde – macht das Kind da überhaupt noch mit?
Kita-Fotografie besteht zu einem erstaunlich großen Teil aus Improvisation.
Womit ich deutlich schlechter umgehen kann, sind Erwachsene, die erwarten, dass ich Dinge sehe, die ich gar nicht sehen kann.
Ich kenne eure Kinder nicht.
Ich weiß nicht, dass der Papa heute ausnahmsweise die Haare gemacht hat und sie “sonst nie so aussehen” oder welches T-Shirt eigentlich das Lieblingsshirt gewesen wäre.
Ich fotografiere das Kind, das an diesem Morgen vor mir steht.
Und ich retuschiere viel. Wahrscheinlich mehr, als den meisten überhaupt bewusst ist.
Aber ich kann keine Gedanken lesen.
Und dann gibt es noch die Bestellfristen.
Die sind nicht da, um irgendjemanden zu ärgern.
Sie sind da, weil hinter jeder Kita-Aktion Stunden an Organisation stecken: Galerien erstellen, Bilder bearbeiten, Bestellungen bündeln, im Labor bestellen, sortieren, verpacken und schließlich kostenlos in die Kita liefern.
Wenn Wochen später noch einzelne Bestellungen dazukommen, fängt ein Teil dieser Arbeit wieder von vorne an…
Am Ende wünsche ich mir nur ein bisschen Verständnis dafür, was alles hinter meiner Arbeit steht.