07/08/2023
Christiane Schneider.
„Was mich mit Zons verbindet.
Die Zonser Altstadt hat sich in den letzten Jahrzehnten schon sehr verändert. Von den vielen Gaststätten, Bäckereien oder Handwerksbetrieben sind fast gar keine mehr übriggeblieben und das Gesicht der Altstadt ist nicht mehr das alte. Aber dennoch ist und bleibt Zons meine geliebte Heimatstadt.
2006 habe ich das Haus, das ich bis zu meinem 6. Lebensjahr mit meinen Eltern und meiner Schwester schon einmal bewohnt hatte, renoviert und erweitert. Mein Ur-Urgroßvater hatte es Ende des 19. Jahrhunderts für seine beiden ledigen Töchter gekauft. Er war, wie seine Söhne und Enkel, Stellmacher und Schreiner, sodass das kleine Haus natürlich ihre Handschrift hat. Aber auch hier hat sich einiges verändert. Die beiden ledigen Schwestern hatten um 1900 noch eine Kuh, ein Schwein und einige Hühner im Innenhof, da, wo jetzt mein Wintergarten ist. Die Kuh wurde dann im Sommer durch den engen Flur, per Holzrampe die drei Stufen hinaus auf die ”Drecksgass” geführt, hinters Werft auf die Weide gebracht und kam im Spätherbst wieder rein. Kuh, Schwein und Hühner dienten zur Selbstversorgung. Einen Gemüsegarten hatten sie an der Steinstraße (Deichstraße) und ihr “home office” war ihre gute Stube, wo Näharbeiten gemacht wurden!
Kein morgendlicher Stau! Kein Burnout! Und keine Forderung nach einer “Work-Life-Balance”!
Im Gegenteil: anstatt sich die Zeit mit Kochshows und zahlreichen Krimi-Wiederholungen vor der Mattscheibe zu vertreiben oder sich mit seinen Kontakten über Facebook auszutauschen, hat man sich viel lieber auf den Dörpel gesetzt und mit seinen Nachbarn und Freunden ”live” über Gott und die Welt oder das letzte Schützenfest unterhalten – völlig streßfrei.
In den 1960er Jahren boomte der Fremdenverkehr in Zons und hat dann stetig zugenommen. Nach ein paar Jahrzehnten – man kann es gar nicht genau zeitlich festlegen – kamen dann plötzlich kaum noch Reisebusse oder Schulklassen nach Zons. Noch zu meiner Schulzeit sind fast alle Schüler aus dem Umkreis Köln/Düsseldorf/Ruhrgebiet mindestens einmal in der Feste gewesen. Heute fragen mich meine Schüler aus Düsseldorf oft, wo denn Zons überhaupt liegt... Vielleicht haben die Billigflieger ins Ausland, Netflix und Computerspiele oder auch der schulische Fokus auf die Geschichte des 2.Weltkrieges Schuld daran, dass eine mittelalterliche Festungsanlage bei den Jüngeren nicht mehr so gefragt zu sein scheint.
Sei’s drum! Ich freue mich immer, wenn Besucher von unserer kleinen Stadt so begeistert sind und die Atmosphäre rühmen. Und das an den Wochenenden, wo Zons recht voll ist, wie z.B. während des Matthäusmarktes oder wenn eine Vorstellung auf der Freilichtbühne stattfindet. Die Menschen scheinen dann in eine ganz anderen Welt abzutauchen. Häufig werde ich bei meinen Stadtführungen gefragt, ob denn tatsächlich in den kleinen Häusern Leute wohnen würden. Naja, ganz so abwegig ist die Frage tatsächlich nicht, denn es gibt Häuser, die bewußt unbewohnt bleiben (sehr seltsam) oder die von ihren Besitzern nicht gepflegt werden und so aussehen, als hätte man sie vergessen. Wie traurig. Wir sollten uns immer wieder bewußt machen, in welch toller, geschichtsträchtigen Stadt wir leben, die es wirklich verdient, gehegt und gepflegt zu werden.“
📷 Verena Aimée Oefler