Fotograf Hartmut Bühler

Fotograf Hartmut Bühler War Werbetexter und Journalist. Bin seit 1989 freier Fotograf. Meine Stärke: Menschen.

DIE 20er JAHRE – DÜSSELDORFER PORTRAITS _von HARTMUT BÜHLER     Wir leben in einer Zeit der Verunsicherung. Und der müss...
14/03/2021

DIE 20er JAHRE – DÜSSELDORFER PORTRAITS _
von HARTMUT BÜHLER

Wir leben in einer Zeit der Verunsicherung. Und der müssen wir uns stellen. So wie ANTONIA GEISEL, ANASTASIA KHOROSHYLOVA, ISABEL MIERNIK und SAFIYYA SÜNGÜ. Die Gymnasiastinnen (11. und 12. Klasse) zeigten im Herbst 2020 ihre Gruppen-Fotoausstellung KÖRPER DER GESELLSCHAFT in der Freizeit- und Kultureinrichtung 'Niemandsland' in Düsseldorf und erregten hohe Aufmerksamkeit.
„'Körper der Gesellschaft' ist ein Projekt von vier Düsseldorfer Schülerinnen, die so ihre eigenen, gesellschaftskritischen Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen wollen. In den Bildern werden gesellschaftliche Grauzonen sowohl plakativ als auch auf subtile Art und Weise behandelt. Mal ist der Besucher nur Beobachter des Moments, mal wird er direkt adressiert und miteinbezogen. Die gefühlsstarken Bilder sollen zur Reflexion über soziale Konventionen anregen.“ (Zitat Düsseldorf Magazin The Dorf).
Safiyya Süngü: Eine Mischung aus Heilung, Spaß und Wut brachte mich dazu, an dem Projekt zu arbeiten. Wir vier fanden zusammen und tasteten uns langsam, aber zielstrebig voran. Vieles hatte uns bewegt, wie Ungleichheit, die wir in der Gesellschaft beobachten konnten, sowie auch an uns selbst spüren konnten, oder Normen, die wir laut anderen einzuhalten haben, denen wir aber nicht entsprechen wollen. Unsere selbstständige Rebellion gegen diese Normen, wie wer auszusehen hat, wie wer zu fühlen hat und vieles andere, haben wir versucht in Bildern zum Ausdruck zu bringen.

Viele Menschen und vor allem Jugendliche haben mit Problemen zu kämpfen, die durch die Gesellschaft hervorgehen, wie Ess- und Angststörungen sowie Depressionen. Diese und noch viele weitere Themen sind Tabus und werden selten bis gar nicht im Alltag oder in der Schule angesprochen oder gar geduldet. Dem wollten wir mit unserer Ausstellung entgegen wirken.
Das Projekt liegt uns allen sehr am Herzen, denn wir haben dadurch selbst Vieles verarbeiten können und können anderen Menschen hoffentlich das Gefühl geben, verstanden zu werden und sich somit nicht ganz so allein zu fühlen.

Antonia Geisel: Ich habe nie gelernt, mich schön zu fühlen, wollte aber immer schön sein. Ich denke, dass es vielen jungen Menschen so geht. Aber wie sollen wir uns schön fühlen, wenn wir in einer Welt aufwachsen, in der ein unrealistisches Schönheitsideal das andere jagt? Ich hatte kein gutes Verhältnis zu meinem Körper. Schon sehr lange. Ich habe mir dadurch sehr oft psychisch und physisch geschadet. Und das tue ich leider noch immer. Allerdings will ich mich mittlerweile schön fühlen. Unabhängig von meinem Aussehen. Das ist ein langer und harter Weg bis dahin, aber er lohnt sich. Die Arbeit an unserem Projekt hat mir sehr dabei geholfen, das zu verstehen. Wir wollten mit unseren Bildern auf eine ästhetische Weise den hässlichen Eigenarten unserer Gesellschaft die Schönheit nehmen. Dafür haben wir mit sehr vielen sehr unterschiedlich aussehenden Menschen zusammen gearbeitet. Uns war sehr wichtig, dass alle, die mitmachen, sich wohl fühlen. Alle die mitgemacht haben, alle die sich wohl gefühlt haben, waren wunderschön. Das ist etwas, was ich mir sehr für mich und jeden anderen Menschen wünsche. Für mich ist das Projekt 'Körper der Gesellschaft' ein erster Schritt in die Richtung der Erfüllung dieses Wunsches. Wenn auch nur ein Mensch zum Nachdenken über das Verhältnis zum eigenen Körper angeregt werden konnte, bin ich froh so viele Sonntage um 6:00 Uhr aufgestanden zu sein, um mit meinen Freund*Innen diese Fotos zu machen.

Anastasia Khoroshylova: Im letzten Sommer beschlossen Antonia und ich nach regem Austausch über uns beschäftigende Themen, gemeinsam mit Safiyya und Isabel ein Projekt anzugehen, das unsere persönlichen Erfahrungen im Umgang mit gesellschaftlichen Erwartungen, Rollenbildern und Schönheitsidealen aufzeigen soll.
Insbesondere rückte in den Vordergrund, dass die Konfrontation mit solchen Themen zumeist unbewusst passierte und erst die Auseinandersetzung und der Austausch in einer Gruppe ermöglichte, eine genauere Differenzierung vorzunehmen.
Gesellschaftliche Strukturen sind zwar stets im Wandel, können allerdings erst reformiert werden, nachdem sie als solche erkannt und hinterfragt wurden. Uns liegt dieses Projekt sehr am Herzen, da wir, losgelöst von den uns vorgelebten Verhaltens- und Denkmustern, einen Raum der Akzeptanz und Inspiration schaffen wollten, sich individuell und frei zu entfalten.
Insbesondere unsere Generation ist einem enormen Druck ausgesetzt, Leistungen zu erbringen, sich schon früh mit der Zukunft auseinander zu setzen und sich gleichzeitig Zeit zur Selbstverwirklichung zu nehmen. Es gibt nie den perfekten Zeitpunkt gesellschaftliche Themen anzusprechen und in Diskurs zu kommen, sowie es nie den perfekten Zeitpunkt gegeben hätte sich einem Projekt zu widmen.
All dies war durch das große Engagement unseres jungen Projektteams möglich, dem wir vielmals für die schönen gemeinsamen Sonntage und einen offenen, lebhaften Austausch unserer Erfahrungen danken wollen.
Dadurch, dass wir gemeinsam darauf hinweisen und zum Nachdenken anregen, übernehmen wir die Verantwortung für Denken und Handeln unserer Gesellschaft mit Ausblick auf ein verbessertes, offeneres und diverses Weltbild.

Isabel Miernik: Ich hörte das erste Mal von der Idee des Projekt von Anastasia. Wir hatten uns über soziale Medien im Sommer 2020 kennengelernt. Wir teilten ähnliche Erfahrungen und ein Interesse an Fotografie, wodurch die Idee aufkam, ob ich an einem Fotoprojekt, an dem sie arbeitete, mitmachen wolle. Mich sprach die Idee sofort an und ich sagte zu. So wurde ich Teil des Projekts. In den folgenden Wochen telefonierten und besprachen wir unsere Ideen. Safiyya und Antonia lernte ich dabei kennen. Ich merkte sofort, dass wir vier als Team passten. Alle etwas verschieden, hatten wir Ähnliches erlebt, Ku**er und Probleme waren uns allen nicht fremd. Auch eines der Hauptaspekte unseres Projektes, psychische Störungen, konnten wir durch unsere Erfahrungen besprechen und einbringen. Für mich war das eine unglaubliche Stärkung. Mit anderen über seine Gedanken zu sprechen und diese in der gemeinsamen Kunst einzubauen und schließlich zu präsentieren, schaffte eine Stabilität und Verbindung zwischen uns. Dunkle Gedanken waren erlaubt, sogar gewollt, um dem Projekt die Tiefe zu geben, die wir schaffen wollten.
Die Arbeit an dem Projekt stellte sich für mich als eine unglaubliche Verbindung zwischen Verarbeitung von Erfahrungen und Kreativität dar. Ich habe sehr schmerzende Erfahrungen in der Liebe zur Kunst gemacht. Für meine Leidenschaft für klassische Musik und das Spielen im Orchester überarbeitete ich mich viel, folgte Ansprüchen und Träumen, denen ich letztendlich aus fehlender Kraft nicht nachkommen konnte.
Ein Burnout in dem was man liebt, mit dem man sich identifiziert, lässt ein tiefen Ku**er zurück. Ich zweifelte an meinen Fähigkeiten und hielt mich künstlerisch für inkompetent. Mich zurück zu dem Schaffen, dem Kreieren zu geben, kostete Kraft und eine andere Perspektive auf Kunst. Diese gab mir die Erfahrung des Projektes. Unsere Ideen galten nicht dazu, verglichen zu werden. Sie entsprachen einem Einblick in die Gefühlswelt des Einzelnen. Unsere Attitüde bestand darin, diese Sensibilität zu schätzen und durch die Fotos zu vermitteln.

Eine weitere Ausstellung ist geplant. Die Fotos →

https://www.instagram.com/koerperdergesellschaft/

https://fotografie-buehler-duesseldorf.de/portfolio/juergen-klauke/
05/03/2021

https://fotografie-buehler-duesseldorf.de/portfolio/juergen-klauke/

… “Jürgen Klauke gehört zu den wenigen Künstlern, die in der Lage sind, die “condition humaine” zum Thema zu machen, ohne in gestisch expressiven Aktionismus zu verfallen. Auf der Suche nach neuen, unverbrauchten Bildern stieß er auf die andersartige Ästhetik des digitalen Bildes, die e...

DIE 20er JAHRE – RUHRGEBIET PORTRAITS _von HARTMUT BÜHLER    Wir leben in düsterer Zeit. Und der müssen wir uns stellen....
19/02/2021

DIE 20er JAHRE – RUHRGEBIET PORTRAITS _
von HARTMUT BÜHLER

Wir leben in düsterer Zeit. Und der müssen wir uns stellen. So wie AMINA FALAH, Fotografin und Designerin und RIMA FALAH, Model, Künstlerin und Stylistin. Die Credos der Schwestern lauten: be real, not perfect und vertraue auf Gott. Amina hatte letztes Jahr ihre Fotoserie Pott-á-Porter gezeigt im Wissenschaftszentrum Gelsenkirchen - über das Lebensgefühl und die Mode junger Menschen im Ruhrgebiet. Mit Rima als Model. Rima (Foto rechts) arbeitet fest angestellt bei einem internationalen Teleshopping- und E-Commerce-Unternehmen in Düsseldorf.
Auf Ihrer Instagram Seite lese ich bemybalance – was bitte bedeutet das?

Rima: Ich bin Waage vom Sternzeichen und ich mag es, wenn Sachen im Gleichgewicht sind. Instagram ist für mich eine Plattform, die ich nutze um inspiriert zu werden, aber auch um andere zu inspirieren. Ich nutze Instagram nicht um mich unter Druck zu setzen oder einem bestimmten Trend hinterher zu jagen, sondern hauptsächlich als Inspirationsquelle.
Sie sind auch bildende Künstlerin?
R.: Aktiv Kunst produzieren im klassischen Sinn habe ich eingestellt. Ich sehe die Kunst eher als meine Lebenseinstellung, als meinen kreativen Ausdruck. Ich habe Kunstgeschichte und Romanistik studiert und dieser Bereich interessiert und fasziniert mich in all seinen Facetten. Ich kaufe mir regelmäßig Bildbände, versuche die aktuellsten Ausstellungen zu besuchen. Wenn ich Zeit habe, male ich gerne oder mache Fotos mit meiner Schwester und wir experimentieren gemeinsam.
Amina: Ich bin Fotografin und ich habe sehr früh damit angefangen Fotos zu machen. Meine erste Kamera habe ich damals von meinem Vater bekommen. Es war eine Canon AE-1 aus den 70ern. Ich habe diese Kamera überall mit hingenommen. Auch heute habe ich ständig eine analoge Kamera dabei und freue mich jedes Mal auf die fertig entwickelten Bilder. Ich versuche regelmäßig an Ausstellungen oder Wettbewerben teilzunehmen um meine Kunst, meine Fotografien zu präsentieren. Neulich wurde meine Fotoserie in die Ausstellung Pixelprojekt Ruhrgebiet aufgenommen. Davor habe ich an einem Wettbewerb teilgenommen und dabei den Sonderpreis für meine Serie Female interaction gewonnen. Als Künstlerin bin ich noch lange nicht am Ende meines Lernprozesses angekommen und ich glaube, in diesem Bereich gibt es einfach kein Ende. Ich sehe die Kunst als immer fortlaufenden Prozess.
Was nervt Sie besonders?
R.: Das Schablonen-Denken! Mich regt es tierisch auf, dass unsere Gesellschaft oft diese starre, engstirnige Denkweise aufweist. Bei mir z. B. ist es das Thema kurze Haare. Durch meine kurzen Haare werde ich mit sehr vielen Vorurteilen konfrontiert und in eine Schublade gesteckt, aus der ich schwer wieder rauskomme bzw. die Menschen nehmen sich keine Zeit um hinter die Fassade zu schauen. Auf Dauer ist das ziemlich anstrengend.
Wie und wie sehr hilft der Glaube in Zeiten der Pandemie?
A und R: Der Glaube ist unser Halt und hat einen Großteil der Erziehung ausgemacht. Dadurch haben wir gelernt, viel geduldiger zu sein und dass der Zusammenhalt mit Familie und Freunden sehr wichtig ist auch wenn man sich nicht regelmäßig sieht. Die Pandemie zwingt uns mehr oder weniger los zu lassen und ins Ungewisse zu vertrauen. Und genau dieser Punkt ist am schwierigsten. Wir Menschen können nur das machen was in unserer Macht steht. Wir halten uns an die Regeln und an die Vorschriften. Jedoch können wir nicht wissen oder kontrollieren was in der Zukunft passiert. Der Glaube hilft uns dann zu vertrauen und los zu lassen.

Kürzlich startete zum 14. Mal Heidi Klums Germany´s Next Topmodel-Fernsehshow: was halten Sie von dieser Art der Casting-Show im Reality-TV-Format?
A.: Zu Beginn habe ich die Sendung GNTM sehr gerne geguckt. Diese Art Casting Show war neu in Deutschland und es war für mich sehr spannend und unterhaltsam die Sendung zu verfolgen. Es war für mich eine Reality Show mit einer ordentlichen Portion Mode, Styling und Fotografie. Und genau diese Mischung hat mir gefallen. Mittlerweile sehe ich das Ganze mit anderen Augen. Für mich ist die Sendung sehr gekünstelt und kommerziell. GNTM spiegelt die Einstellung „In-Schablonen-Denken“ in unserer Gesellschaft wider. So nach dem Motto: Was ist dieses Jahr modern? Welcher Look ist in? Wie hat man dieses Jahr auszusehen? Heidi Klum versucht zwar ein bisschen auszubrechen, indem sie unterschiedliche Mädchen castet, die nicht den üblichen Modelmaßen entsprechen, aber es wirkt dennoch sehr aufgesetzt und erzwungen. Die Sendung ist und bleibt aber unterhaltsam.
Wie stark sind Ihre Verbindungen zu Tunesien, sind Sie dort geboren worden?
Unsere Verbindung zu Tunesien ist sehr stark. Wir sind beide hier in Deutschland geboren, haben aber die Grundschulzeit in Tunesien verbracht. Für unsere Eltern war es wichtig, dass wir sowohl die westliche Kultur als auch die nordafrikanische/orientalische Kultur gut kennen. Für uns ist Tunesien nicht nur von den Eltern geerbte Heimat, sondern Teil unserer Identität. Wir haben das Glück, dass wir zwei Heimatländer haben. Das hat aber auch den Nachteil, dass man hin und her gerissen ist und man sich Sorgen macht um seine Familienangehörigen, die in Tunesien leben. In den letzten Jahren war die politische Lage dort nicht stabil und es kam immer wieder zu schweren Ausschreitungen. In diesen Situationen hat man schreckliche Angst und man macht sich ständig Gedanken. Die Pandemie verschlimmert noch dieses Gefühl der Angst und der Machtlosigkeit.
Amina, wie stark macht Ihnen die Pandemie zu schaffen, haben Sie Aufträge?
A.: Ich mache im Moment den Master und erhalte somit staatliche Unterstützung. Wenn ich mir andere Geschichten anhöre von Menschen, die ernsthafte existentielle Probleme durch die Pandemie haben, dann macht mir die Pandemie nicht sehr zu schaffen. Was mir zu schaffen macht, ist das drastische Reduzieren meiner sozialen Kontakte und die fehlende Möglichkeit, mich frei in der Welt bewegen zu können. Ich bin in der Vergangenheit sehr viel gereist und habe sehr viel unternommen. Jetzt sind solche Aktivitäten leider nicht mehr möglich. Aber ich habe gelernt wie ich mit der Gesamtsituation umgehe und aus den Mitteln, die ich habe oder nicht habe, das Beste zu machen.
Fotografiert wurde im atmosphärisch-stimmigen Shiftstudio in Essen. Dafür herzlichen Dank. Infos: knsy.de
instagram.com/hartmut.buehler.fotografie/

Veni, vidi, VICO – die neue Homepage von Dirigent JULIO GARCIA VICO ist online. Der in Cadiz geborene Spanier ist Gewinn...
09/02/2021

Veni, vidi, VICO – die neue Homepage von Dirigent JULIO GARCIA VICO ist online. Der in Cadiz geborene Spanier ist Gewinner des Deutschen Dirigentenpreises 2019 und lebt in Düsseldorf. In der kommenden Saison dirigiert Marathonläufer Vico u. a. das Beethoven-Orchester Bonn, die Oper Köln, das WDR-Sinfonieorchester und die Münchener Symphoniker. Es war ein Privileg und Vergnügen, ihn zu portraitieren.

Herzlichen Dank an Felix Koltermann, der das Fototagebuch PATIENT GAZA in seine HOLY BOOKS – PHOTOBOOKS ABOUT ISRAEL / P...
01/02/2021

Herzlichen Dank an Felix Koltermann, der das Fototagebuch PATIENT GAZA in seine HOLY BOOKS – PHOTOBOOKS ABOUT ISRAEL / PALESTINE - PHOTOBOOKS aufgenommen hat. holybooks-photobook-archive.org und instagram.com/holybooks_photobookarchive/ _ Research Training Photography _ fkoltermann.de

01/02/2021

Warum ich FB am 16. März verlasse: es gab ein Leben vor Facebook und es wird eines danach geben. Aber ganz ohne Mark Z. wird es denn auch nicht gehen: auf Instagram wird weiter präsentiert – z. B. meine Fotoserie DIE 20er JAHRE – DÜSSELDORFER PORTRAITS.

31/01/2021

3... 2... 1 – aus und 'raus: Hinweis in eigener Sache → am 16. März d. J. schließe ich das Kapitel Facebook.

DIE 20er JAHRE – DÜSSELDORFER PORTRAITS _von HARTMUT BÜHLER  Wir leben in einer düsteren Zeit. Und der müssen wir uns st...
26/01/2021

DIE 20er JAHRE – DÜSSELDORFER PORTRAITS _
von HARTMUT BÜHLER

Wir leben in einer düsteren Zeit. Und der müssen wir uns stellen. So wie JULIO GARCIA VICO, Pianist und Dirigent. Der in Cadiz geborene Musiker (*1992) gewann 2019 den Deutschen Dirigentenpreis, den Publikumspreis der Oscar- und Vera Ritter-Stiftung Köln und den 1. Preis der Opernfreunde Bonn 2019. Seit 2018 ist er Mitglied des Dirigentenforums des Deutschen Musikrates. Er läuft Marathon und spricht sieben Sprachen. Am 12. Januar 2021 dirigierte er Nino Rotas Divertimento Concertante in Recklinghausen.

Das Divertimento Concertante für Kontrabass und Orchester von Nino Rota - dieser Komponist hat meine Kindheit sehr beeinflusst - ich habe Musik durch Schauspiel entdeckt.

Es war ein virtuelles Konzert...

Ich habe auf jeden Fall Schwierigkeiten mit den sogenannten Streaming-Konzerten. Klassische Musik ist eine Liturgie, ein religiöser Akt, etwas, dass in dem hic et nunc passiert und auf keinen Fall (!) online gestreamt werden kann. Ich freue mich darüber, dass die Konzerte aufgenommen werden, damit meine Familie und Freunde (und ich, weil ich nach der Trance alles vergesse und wissen möchte, wie es überhaupt war) sie sehen können, aber von einem Ersatz ist das weit entfernt.

Was sagen Sie zum Schumann Denkmal von Künstler Markus Lüpertz, das demnächst in Düsseldorf geweiht wird?

Wir können uns glücklich schätzen, wenn wir in unserer Stadt eine Skulptur von so einem renommierten Künstler haben. Ich finde die Wahl der Flussgöttin unglaublich poetisch und sehr zur Stadt und dem Komponisten (der poetischste überhaupt) passend.

Junge DirigentInnen profitieren durch die Pandemie, da die renommierten Platzhirsche zur Risikogruppe zählen...

„Profitieren“ wäre tatsächlich das letzte Wort das ich benutzen würde. Wenn es keine Konzerte gibt können auch junge DirigentInnen nichts machen. Ohne staatliche bzw. Sponsoring ist man so schlecht bezahlt, dass die Berühmtheiten keine Lust haben, für so wenig Geld ein neues Repertoire zu lernen (Corona-Konzerte dürfen wegen der reduzierten Besetzung keine normalen Stücke wählen) und wir, die nicht weltbekannten DirigentInnen machen die 'schmutzige' (aber trotzdem wunderschöne) Arbeit.

Ist der Dresscode Ihrer Zunft – z. B. das Tragen eines Fracks - noch zeitgemäß?

Ich bin (unter anderem) ein großer Fan von Eiskunstläufern und Balletttänzern und bin immer wieder begeistert von der verschiedenen Kleidung die sie benutzen. In vielen Fällen halte ich diese sogar für selbständige Kunst. Es gibt in unserer Branche ein leider viel zu konservatives Publikum, das sich empört, wenn man etwas anderes trägt. Was ich nicht sehen möchte ist, dass man Jeans und T-Shirts auf der Bühne trägt, weil das - mit dem Versuch cool und jung auszusehen - das sakrale und religiöse Element (das wichtigste überhaupt?) der Musik komplett wegnimmt. Wir müssen (!) ein neues junges Publikum erreichen, dürfen aber auf keinen Fall die Qualität oder die Spiritualität der Musik verlieren.

Wann ist ein Dirigent cool?

Cool für die Orchestermusiker? Wenn er alle Einsätze gibt und sehr klar ist, auch wenn er künstlerisch flach wie ein Stein ist. Cool für andere Dirigenten? Wenn er auf Klarheit verzichtet und sich auf die höchste Kunst konzentriert. Cool für das Publikum? Wenn er beide ignoriert und sich auf die ZuhörerInnen konzentriert, die nur die Musik verstehen und genießen möchten.

Was brennt Ihnen seit dem 11. März 2020 besonders stark unter den Nägeln?

„Unter den Nägeln“ brennt mir vieles, vor allem die Frage, ob Kultur heute systemrelevant ist. Vor vielen Jahren hatte mich der Satz: „Europa ist Chopin“ sehr beeindruckt, und seitdem ist mir bewusst, dass unsere Identität als EuropäerInnen (und als Menschen?) durch Kunst und Kultur definiert ist (und nicht nur durch Wirtschaft, Religion oder Gastronomie). Ist das aber wirklich uns allen bewusst oder ist Kultur heute nur eine oberflächliche pseudo-intellektuelle Unterhaltung?

instagram.com/hartmut.buehler.fotografie/

Heute ab 23.15 h im ZDF 'aspekte' → VERA BRANDES erinnert sich an Keith Jarretts Köln Concert - ein zufälliges Meisterwe...
15/01/2021

Heute ab 23.15 h im ZDF 'aspekte' → VERA BRANDES erinnert sich an Keith Jarretts Köln Concert - ein zufälliges Meisterwerk
24. Januar 1975. Dass dieser Tag musikalisch Weltgeschichte schreiben würde – danach sah es nicht aus. In der Kölner Oper stand ein Konzert des Jazz-Pianisten Keith Jarrett im Programmheft. Ein Solokonzert, sein Markenzeichen. Ausverkauft. Keith Jarrett reiste an diesem Tag aus der Schweiz an. Mit seinem Manager, in dessen R4. Sie waren die ganze Nacht unterwegs. Bei Ankunft musste Jarrett völlig übermüdet feststellen: Das für ihn bereitgestellte Instrument war nicht der von ihm gewünschte Flügel. Und: sagte die Vorstellung nach einigen Diskussionen ab. Dass er am Ende dieses Abends dennoch sein dann weltberühmt gewordenes "Köln Konzert" gegeben haben würde, er selbst hätte das wohl niemals für möglich gehalten. Es war VERA BRANDES, eine damals sehr junge Konzertveranstalterin in Köln, der es auf wundersame Weise nicht nur gelang, ein von Keith Jarrett akzeptiertes Ersatzinstrument aufzutreiben, sondern ihn tatsächlich mit den richtigen Worten doch noch zu seinem Kölner Auftritt zu bewegen. Jarrett nahm Platz. Es folgte eine gute Stunde Improvisation, bei der bis heute schon mit den ersten Tönen klar ist: Es geht um etwas Großes. Je nach Wortwahl etwas Erhabenes. Spirituelles. Jarretts Musik wirkte nicht zuletzt "heilsam" - bis heute. Vera Brandes, die junge Konzertveranstalterin von damals, beschäftigt sich seither mit Musik und ihrer Wirkung auf menschliche Gemüter, auch mit ihrer therapeutischen Wirkung. Wie genau "wirkt" das berühmte Konzert von Keith Jarrett und: wie hat sie es damals geschafft, dass es überhaupt stattfand? aspekte hat Vera Brandes getroffen.
Gerne erinnere ich mich an einige CD-Cover, die ich im Auftrag von VERA BRANDES machte: zu Beginn der 1990er Jahre. Das Foto mit Suzy Whang entstand im Restaurant Alter Wartesaal im Bahnhof Köln. Das Foto für die Band Latin Quarter in einem Hinterhof des Belgischen Viertels – mit Taschenlampe - und das Saxophon wurde in einem Einrichtungshaus auf dem 'Ring' inszeniert. Es waren einige mehr als die hier vorgestellten ramponierten Cover – die anderen CDs sind leider unauffindbar.

Ab sofort im Buchhandel erhältlich: der neue Roman IDENTITTI von Mithu M. Sanyal. Ich hatte die Ehre, im Sommer '20 die ...
05/01/2021

Ab sofort im Buchhandel erhältlich: der neue Roman IDENTITTI von Mithu M. Sanyal. Ich hatte die Ehre, im Sommer '20 die Autorin für mein Projekt DIE 20er JAHRE – DÜSSELDORFER PORTRAITS zu fotografieren. →
https://www.instagram.com/p/CEKSF6PpCbO/

DIE 20er JAHRE – DÜSSELDORFER PORTRAITS _von HARTMUT BÜHLER   Wir leben in einer besonderen Zeit. Und der müssen wir uns...
18/12/2020

DIE 20er JAHRE – DÜSSELDORFER PORTRAITS _
von HARTMUT BÜHLER

Wir leben in einer besonderen Zeit. Und der müssen wir uns stellen. So wie SVETLANA CHERNYSHOVA, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstgeschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Die gebürtige Moskauerin ist in der Kunsttheorie, aber auch in der interkulturellen ‚Kulturpraxis‘ unterwegs und war mitverantwortlich für die Buchreihe Gemeinsame GESCHICHTE(N), herausgegeben von der Diakonie Düsseldorf, der MBE Migrationsberatung und des zakk Düsseldorf. Chernyshova ist auch als Autorin und Kuratorin tätig und interessiert sich etwa für Thematiken des Körpers, der Materialität, der Intimität sowie des (Post-)Digitalen im Kontext von zeitgenössischer Kunst.

Corona hat weltweit zahllose Fotoprojekte und -serien hervorgebracht. Darunter auch DIE 20er JAHRE – DÜSSELDORFER PORTRAITS. Wie stark beeinflusst die Allgegenwärtigkeit der Fotografie Ihre Arbeit, Ihr Leben?

Eine recht lange Zeit bin ich selbst als ambitioniert-passionierte Amateurfotografin unterwegs gewesen und habe obsessiv die Welt um mich herum geknipst. Im Verlaufe der letzten Jahre ist mir gleichzeitig aber auch eine enorme Verschiebung im Hinblick darauf aufgefallen, was / wie / wann / wo fotografiert wird. Schnappschüsse entstehen in jedem nur erdenklichen Moment, in zigfacher Ausführung, werden geteilt und weitergeleitet oder verschwinden einfach in der Masse auf dem Smartphonespeicher. Deshalb geht für mich damit auch eine starke Veränderung dessen einher, was wir überhaupt unter Fotografie verstehen. Gleichzeitig hängt diese Veränderung aber auch mit einem allgemeinen Wandel unserer Alltäglichkeit zusammen – einem Wandel hin zum ‚wild geteilten‘ Bildlichen.
Aktuell – 2020 wohl stärker denn je – realisiert sich unsere Kommunikation ja hauptsächlich über das Bild (ob als Selfie, Emoji, GiF, Schnappschuss beim Mittagessen oder als Screenshot). Und wenn ich an meine momentane berufliche, aber auch private Situation denke und an die unzähligen, Covid-19-bedingten Videokonferenzen, die nun ‚physische‘ Treffen ‚ersetzen‘, dann stelle ich dabei vor allem fest: Wir begegnen uns nun hauptsächlich als (bewegte) Bilder im Bildschirmformat. Und es ist einerseits zwar eine versammelnde Situation, denn Orte und Distanzen spielen quasi keine Roll mehr, gleichzeitig aber auch eine vereinsamende…‘Sich zu sehen‘ bekommt also eine ziemliche Umdeutung.

Im Aufbauseminar des Wintersemesters 2019/20 an der HHU Düsseldorf wurde auch die 58. Biennale di Venezia behandelt. Fast prophetisch war ihr Label „May you live in interesting times”, in der Fragen nach 'unserer Gegenwart‘ in den Fokus gerückt wurden...

Ja, zum Zeitpunkt der Venedig-Biennale 2019 und auch meines Seminars hätte sich wohl kaum jemand von uns ein solches ‚Gegenwartsszenario‘ ausmalen können. Und zu gern hätten wir uns unter ‚interesting‘ doch auch etwas Anderes vorgestellt… Und es ist natürlich auch noch besonders bitter und ironisch, dass aktuell vor allem auch die Kunst- und Kulturbranche so gewaltig unter den Bedingungen leidet und immer stärker in die absolute Prekarität getrieben wird. So viele Kunst- und Kulturschaffende sehen sich aktuell am Rande ihrer Existenz, was uns gleichzeitig aber eben auch zu allgemeinen Strukturfragen führt. Und es ist extrem problematisch, wenn unterschiedliche Bereiche politisch gegeneinander ausgespielt werden und plötzlich ganzen Sphären die Relevanz abgesprochen oder zumindest stark in Frage gestellt wird. Und ich denke, dass wir dem mit besonders viel Aufmerksamkeit begegnen müssen, denn es darf nicht passieren, dass Kunst- und Kultur polemisch als ‚Luxus‘ oder ein ‚netter Sonderbereich‘ abgetan werden. Mir würde jedenfalls kein sozialer Lebensentwurf einfallen, der ohne funktioniert.

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Schumannstraße 64
Düsseldorf
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