Augenblicke-Bettina Baumstark

Augenblicke-Bettina Baumstark Fotos und Gedanken

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*** Das Spiegelbild ***Es war einmal ein Mann, der in seinem Dorf für seine freundlichen Worte bekannt war. Er schüttelt...
14/05/2026

*** Das Spiegelbild ***
Es war einmal ein Mann, der in seinem Dorf für seine freundlichen Worte bekannt war. Er schüttelte Hände mit festem Griff, sprach von Ehrlichkeit und versprach jedem seine Treue. Die Menschen vertrauten ihm, denn sein Lächeln wirkte warm wie die Abendsonne über den Feldern.

Doch hinter verschlossenen Türen begann er, Wahrheit gegen Vorteil zu tauschen. Erst waren es nur kleine Verdrehungen, harmlose Lügen, wie er sich selbst einredete. Dann stellte er Freunde gegeneinander, verriet Geheimnisse und schob die Schuld auf andere, damit sein eigenes Ansehen wuchs.

Und tatsächlich: Eine Zeit lang schien er damit Erfolg zu haben. Die Leute hörten auf ihn, glaubten ihm, lobten ihn sogar. Doch je mehr Vertrauen er zerbrach, desto stiller wurde es in seinem Inneren.

Eines Morgens, so erzählt man sich, stand er wie jeden Tag vor seinem Spiegel. Aber diesmal wich er seinem eigenen Blick aus. Am nächsten Morgen ebenso. Und am nächsten wieder. Denn das Gesicht im Spiegel erinnerte ihn nicht mehr an den Mann, der er einst hatte sein wollen.

Die Alten im Dorf sagten später zu ihren Kindern:

„Ein Mensch kann vieles verlieren und vieles wiederfinden.
Geld, Freunde, Ansehen.
Doch wer sein Gewissen verliert, findet keinen Frieden mehr — nicht einmal im eigenen Spiegelbild.“

Und seit jener Zeit gilt dort ein alter Satz:
„Vertrauen zerbricht leise.
Aber das Echo davon begleitet einen ein Leben lang.“

*** Der Garten der unendlichen Liebe ***Es heißt, tief irgendwo zwischen den Jahren und Erinnerungen gäbe es einen unsic...
10/05/2026

*** Der Garten der unendlichen Liebe ***
Es heißt, tief irgendwo zwischen den Jahren und Erinnerungen gäbe es einen unsichtbaren Garten. Dort wachsen keine Blumen aus Erde, sondern aus unendlicher Liebe. Jede schlaflose Nacht, jede Träne, jedes Lachen einer Mutter lässt dort eine neue Blüte entstehen.
Viele Menschen suchten diesen Garten. Manche glaubten, er sei voller Gold oder kostbarer Schätze. Doch wer ihn wirklich fand, sah etwas ganz anderes: kleine Kinderhände, die nach einer Frau griffen, und eine Stimme, leise und voller Vertrauen, die nur ein einziges Wort sagte:
„Mama.“
Da verstanden selbst die Reichsten und Mächtigsten, warum es heißt:
„Das schönste Geschenk des Lebens ist nicht Reichtum oder Erfolg – sondern wenn dich jemand voller Liebe Mama nennt.“

Es war einmal ein Dorf am Rand eines dichten Waldes. Dort lebte Mara, die seit Jahren jeden Morgen denselben Weg ging – ...
23/04/2026

Es war einmal ein Dorf am Rand eines dichten Waldes. Dort lebte Mara, die seit Jahren jeden Morgen denselben Weg ging – immer am alten, verfallenen Haus vorbei, in dem einst ihre Familie gelebt hatte. Seit einem schweren Verlust konnte sie den Blick nicht davon lösen. Jeder Schritt erinnerte sie an das, was war.
Eines Tages begegnete ihr am Waldrand eine alte Frau. Sie trug nichts bei sich außer einem kleinen Spiegel. „Warum gehst du immer denselben Weg?“, fragte sie ruhig.
Mara antwortete: „Weil ich nicht vergessen kann.“
Die Alte hielt ihr den Spiegel hin. Doch statt ihres Gesichts sah Mara darin nicht die Vergangenheit – sondern einen Weg, der sich hell und offen durch den Wald schlängelte.
„Das Leben liegt nicht hinter dir“, sagte die Frau leise. „Du siehst es nur nicht, weil du immer zurückblickst.“
Am nächsten Morgen blieb Mara vor dem alten Haus stehen. Zum ersten Mal drehte sie sich nicht um. Stattdessen ging sie weiter – einen neuen Pfad entlang, den sie nie zuvor betreten hatte.
Und mit jedem Schritt wurde ihr Herz ein wenig leichter.
Seitdem erzählt man sich im Dorf: Wer den Mut findet, nach vorne zu schauen, findet Wege, von denen er nicht wusste, dass sie existieren.

*Die Laterne im Turm*In einem alten, weißen Turm lebte ein Mann, der jeden Tag zur Sonne hinaufsah. Doch immer öfter zog...
14/04/2026

*Die Laterne im Turm*
In einem alten, weißen Turm lebte ein Mann, der jeden Tag zur Sonne hinaufsah. Doch immer öfter zogen Wolken auf und nahmen ihm das Licht. Mit der Zeit wurde es nicht nur draußen grau, sondern auch in seinem Herzen.
Eines Abends, als der Himmel besonders dunkel war, entdeckte er eine alte, verstaubte Laterne. Er zögerte – dann zündete er sie an.
Das kleine Licht war schwach, doch es genügte. Der Raum wurde heller. Und etwas in ihm wurde ruhig.
Er stellte die Laterne ins Fenster. Unten im Dorf sahen die Menschen das Licht – und manche zündeten ebenfalls eines an.
Als am nächsten Morgen die Sonne durch die Wolken brach, verstand er:
Das Licht war nie ganz verschwunden. Er hatte nur vergessen, dass es auch in ihm selbst beginnt.

*Die Geschichte von den zwei Gärtnern*Zwei Gärtner bekamen denselben Auftrag: ein Stück Land zu bebauen. Doch nach einer...
13/04/2026

*Die Geschichte von den zwei Gärtnern*
Zwei Gärtner bekamen denselben Auftrag: ein Stück Land zu bebauen. Doch nach einer Woche kam ein heftiges Unwetter, das fast alle Pflanzen zerstörte.
Gärtner A war am Boden zerstört. Er sah nur die zerstörte Arbeit, schimpfte auf das Wetter und gab auf. Er fühlte sich als Opfer der Umstände.
Gärtner B war zwar auch traurig, aber er betrachtete die Situation anders. Er sah, dass der Regen zwar die Pflanzen, aber auch den Boden tief bewässert und Dünger herangetragen hatte. Er nutzte die Gelegenheit, um robustere Sorten zu pflanzen, die nun dank des Wassers besser gediehen.
Die Lehre:
Das Unwetter (das Ereignis) war für beide gleich. Aber während Gärtner A in Bitterkeit verharrte, wählte Gärtner B eine konstruktive Reaktion. Wie der Philosoph Epiktet sagte: Nicht die Dinge selbst beunruhigen uns, sondern unsere Vorstellung von den Dingen. Es ist eine Frage der inneren Einstellung, wie man mit Problemen umgeht.

*Das Tal des ewigen Schattens*Es war einmal ein Tal, das tief in der Umklammerung zweier riesiger Gipfel lag. Das Sonnen...
11/04/2026

*Das Tal des ewigen Schattens*
Es war einmal ein Tal, das tief in der Umklammerung zweier riesiger Gipfel lag. Das Sonnenlicht erreichte den Boden nie, und die Menschen dort lebten in ewiger Dämmerung. Die Ältesten erzählten sich, dass nur ein Eingriff der Götter die Gipfel auseinanderrücken könne, um das Licht einzulassen. So knieten sie Generation um Generation nieder und baten um ein Wunder. Doch die Berge blieben stumm.
Unter ihnen lebte ein Junge namens Aris. Während die anderen beteten, begann Aris, große Spiegel aus poliertem Erz zu fertigen. Die Leute spotteten: „Willst du die Sonne etwa zwingen? Nur der Himmel kann die Felsen bewegen.“
Aris aber sagte: „Wenn der Berg nicht weicht, so muss mein Wille ihn überwinden.“
Er begann, allein die steilsten Flanken zu erklimmen. Ohne Seil, nur mit der Kraft seiner Sehnen und dem festen Wissen, dass sein Körper ihn tragen würde. Er stürzte, er blutete, doch jedes Mal, wenn er den kalten Stein berührte, spürte er nicht die Macht des Berges, sondern die Hitze in seinem eigenen Herzen.
Ganz oben, auf dem höchsten Grat, installierte er seine Spiegel. Er richtete sie so aus, dass sie das Licht der Mittagssonne einfingen und tief in das dunkle Tal hinabwarfen.
Als die ersten Strahlen die Dorfhütte trafen, bebte die Erde nicht, und kein Gott war erschienen. Doch für die Menschen im Tal hatte sich die Welt verändert. Aris hatte den Berg nicht gespalten, er hatte ihn durch seinen eigenen Mut besiegt. Er bewies ihnen, dass der schwerste Fels nachgibt, wenn ein Mensch aufhört zu warten und anfängt, zu handeln.

*Die Sage vom silbernen Kompass*Vor langer Zeit, als die Götter noch in den Bergen lebten, gab es einen jungen Mann name...
10/04/2026

*Die Sage vom silbernen Kompass*
Vor langer Zeit, als die Götter noch in den Bergen lebten, gab es einen jungen Mann namens Kaelen. In seinem Dorf galt ein strenges Gesetz: Jeder Jüngling musste sich am Tag seiner Reife auf eine Pilgerreise zum „Gipfel der Klarheit“ begeben, um seine Bestimmung zu finden.
Kaelen jedoch war ein Zweifler. Er wollte den Berg erreichen, weil es von ihm erwartet wurde, doch sein Herz sehnte sich nach den Wäldern im Tal. Er machte sich auf den Weg, aber seine Gedanken waren stets woanders. Er plante bereits seine Rückkehr, während er noch aufstieg; er zählte die Schritte, anstatt die Aussicht zu genießen.
Auf halber Höhe begegnete er einer Wanderin in einem Umhang aus Nebel. Sie hielt einen silbernen Kompass in der Hand, dessen Nadel sich wild im Kreis drehte.
„Suchst du den Weg, junger Wanderer?“, fragte sie mit einer Stimme, die wie der Wind in den Tannen klang.
„Ich suche den Gipfel“, antwortete Kaelen mürrisch. „Aber der Weg ist mühsam und langweilig.“
Die Wanderin lachte leise. „Dein Körper steigt empor, aber deine Seele sitzt noch unten am Lagerfeuer. Dieser Kompass zeigt nicht nach Norden – er zeigt dorthin, wo dein Herz weilt. Schau ihn dir an.“
Kaelen blickte auf das Zifferblatt. Die Nadel zitterte nicht nach oben zum Ziel, sondern zeigte steil nach unten, zurück ins Dorf.
„Solange dein Herz nicht bei deinen Füßen ist“, sagte die Frau, „wirst du den Gipfel nie erreichen. Selbst wenn du oben stehst, wirst du blind für das Licht sein. Denn nur wer ganz dort ist, wo er geht, kann das Ziel wirklich betreten.“
In diesem Moment schloss Kaelen die Augen. Er atmete die kalte Bergluft tief ein und entschied sich: Er würde nicht länger gegen den Weg kämpfen. Er ließ die Sehnsucht nach dem Gestern und die Sorge um das Morgen los. Er schenkte jedem Stein, jedem Farn und jedem Windstoß seine volle Aufmerksamkeit.
Als er die Augen wieder öffnete, war die Wanderin verschwunden, doch der Weg vor ihm schien plötzlich in goldenem Licht zu erstrahlen. Die Müdigkeit wich aus seinen Gliedern. Kaelen verstand nun: Der Gipfel war nicht der Preis der Reise – die Hingabe an den Weg war es.
Er erreichte den Gipfel noch vor Sonnenuntergang, nicht weil er schneller gelaufen war, sondern weil er endlich angekommen war, noch bevor er den letzten Schritt tat.

*Der Mann am Berg*In einem fernen Dorf lebte Lian, der davon träumte, den Weg über das große Gebirge zu ebnen, damit sei...
09/04/2026

*Der Mann am Berg*
In einem fernen Dorf lebte Lian, der davon träumte, den Weg über das große Gebirge zu ebnen, damit sein Dorf endlich Handel treiben konnte. Jeden Tag stand er auf dem Marktplatz und hielt flammende Reden darüber, wie man die Felsen sprengen und die Pfade verbreitern müsste. Er forderte die anderen auf, endlich die Schaufeln in die Hand zu nehmen.
Doch die Dorfbewohner sahen Lian an – er war blass, kurzatmig und hatte noch nie einen schweren Stein gehoben. Sie lachten und gingen weiter.
Frustriert suchte Lian einen alten Einsiedler auf. „Warum folgt mir niemand? Ich will doch die Welt für uns alle verändern!“, rief er. Der Einsiedler antwortete nur: „Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen.“
Lian verstand zunächst nicht, aber er schämte sich. Er begann, jeden Morgen zum Fuß des Berges zu laufen. Er hob kleine Steine, dann größere. Er trainierte seine Ausdauer und seine Kraft. Er hörte auf zu reden und fing an, allein am ersten Meter des Pfades zu arbeiten.
Wochen vergingen. Die Dorfbewohner sahen Lian nun jeden Tag. Sie sahen seinen Schweiß, seine wachsende Kraft und seinen unermüdlichen Einsatz. Eines Morgens stellte sich ein Nachbar mit einer Schaufel neben ihn. Dann ein zweiter.
Lian hatte nicht durch Worte die Welt bewegt, sondern indem er seinen eigenen Körper und seinen Willen in Bewegung setzte. Der Weg über den Berg wurde schließlich fertig – weil einer aufhörte zu fordern und anfing zu handeln.

Das Lied der WeberinIn den vergessenen Tälern des Nordens, so erzählt man sich, lebt die Abendweberin. Sie erscheint ers...
08/04/2026

Das Lied der Weberin
In den vergessenen Tälern des Nordens, so erzählt man sich, lebt die Abendweberin. Sie erscheint erst, wenn die Sonne das Land rot färbt und die Schatten der Tannen länger werden als die Bäume selbst.
Jeden Abend tritt sie aus dem Nebel an den Rand des großen Sees. In ihren Händen hält sie eine Spindel aus Mondgestein. Ihr Handwerk ist es, die Fäden des Tages einzusammeln, die die Menschen verloren oder achtlos weggeworfen haben: die flüchtigen Worte, die vergossenen Tränen und das vergessene Lachen.
Ein junger Wanderer, der sich einst im Zwielicht verirrte, beobachtete sie dabei. Er sah, wie sie einen dunklen, schweren Faden – einen Streit, den er am Morgen geführt hatte – behutsam zwischen ihren Fingern prüfte. Sie spann ihn nicht einfach fort, sondern hielt inne. Sie blickte in das stille Wasser des Sees, als würde sie den Wert dieses Augenblicks wiegen.
„Warum hältst du inne, Herrin?“, fragte der Wanderer leise.
Die Weberin antwortete, ohne aufzusehen: „Der Tag ist ein Sturm, aber der Abend ist das Sieb der Seele. Wer blindlings in die Nacht eilt, verwebt den Schmerz von heute in das Tuch von morgen. Ich halte inne, um zu prüfen, was es wert ist, behalten zu werden – und was ich dem Wasser übergeben muss.“
Sie tauchte den dunklen Faden in den See, bis die Bitterkeit von ihm abfiel und nur die Lehre daraus übrig blieb. Erst dann spann sie ihn zu einem silbernen Garn, das im Mondlicht leuchtete.
Seit diesem Tag wusste der Wanderer: Wenn die Sonne sinkt, ist es Zeit, die Spindel ruhen zu lassen. Man muss den Tag erst betrachten, bevor man ihn zur Ruhe legt, damit das Gewebe des Lebens am nächsten Morgen hell und fest bleibt.

Es gibt eine alte Legende über einen Wanderer, der am Fuße der Rocky Mountains nach dem Sinn des Lebens suchte. Er traf ...
07/04/2026

Es gibt eine alte Legende über einen Wanderer, der am Fuße der Rocky Mountains nach dem Sinn des Lebens suchte. Er traf eine weise Frau, die an einem kleinen Feuer saß, und sie gab ihm vier Aufgaben für seine Reise:
„Zuerst“, sagte sie, „beobachte die alten Mammutbäume. Siehst du, wie sie ihre Kronen dem Licht entgegenstrecken? Geh aufrecht wie sie, denn wer sich selbst klein macht, vergisst seine eigene Würde.“
Der Wanderer nickte und sie fuhr fort: „Wenn die Stürme kommen, schau zu den Gipfeln. Sie klagen nicht über den Wind. Lebe dein Leben so stark wie die Berge; lass Schicksalsschläge an dir abperlen, ohne deinen Kern zu verlieren.“
„Aber werde nicht hart wie Stein“, warnte sie. „Sei sanft wie der Frühlingswind, der das Eis schmilzt und neues Leben weckt. Wahre Stärke braucht Weichheit, um nicht zu brechen.“
Als der Wanderer aufbrechen wollte, legte sie ihm die Hand aufs Herz. „Und das Wichtigste: Bewahre die Wärme der Sonne in deinem Inneren. Wenn du Liebe verströmst, wird die Dunkelheit dich nie finden. Dann, und nur dann, wird der Große Geist jeden deiner Schritte lenken.“

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