23/04/2021
(TRIGGERWARNUNG STERNENKIND)
Ich kam im April 2019 in die Klinik, weil ich dort ein kleines Sternenkind fotografieren sollte. Dort angekommen, meldete ich mich auf Station. Eine Schwester kam kurz darauf zu mir: „Sie kommen wegen dem kleinen Sternenkind ? Hätten Sie danach noch Zeit für ein weiteres, welches gerade sehr spontan zur Welt kommt ?“, fragte sie mich. Ich sagte: „Natürlich, die Zeit habe und nehme ich mir gerne.“
Ich fotografierte also erst das kleine Mäuslein, für welches ich in die Klinik gefahren war. Ein kleiner Junge, wirklich klein, aber sehr komplett. Ein richtiger, kleiner Mensch. Es macht mich immer sehr ehrfürchtig, aber zugleich eben auch traurig, denn man sieht eben auch schon in den frühen Schwangerschaftswochen einen kompletten kleinen Menschen, der eigentlich nur noch hätte wachsen müssen...eigentlich...
Als ich fertig war, ging ich zurück zur Schwester, die mich dann auch zügig mitnahm zu den anderen Eltern.
Man muss dazu sagen, dass wir in unseren Alamierungen immer etwas Hintergrundinformation bekommen. Also, welche Schwangerschaftswoche, woran das Kind verstorben ist (das nur, damit wir uns ggfs. auf Fehlbildungen vorbereiten können), ob Kleidung vorhanden ist usw. Hierbei wusste ich nun allerdings nichts. Gar nichts.
Ich kam in den Kreißsaal. Das Kind wurde vor wenigen Minuten erst geboren. Ein Mädchen. 41. Schwangerschaftswoche. Enya haben sie sie genannt. Ein hübsches Mädchen. Sie wurde gerade von der Schwester angezogen. Ganz liebevoll. Ich holte die Kamera raus und fing an zu fotografieren. Hände, Füße, Gesicht...
Die Eltern redeten kaum. Standen -verständlicherweise- völlig neben sich, aber ertrugen und vertrauten mir dennoch.
Ich machte erst Bilder von der kleinen Enya allein, aber dann eben auch mit ihren Eltern.
Sie liebkosten sie, hielten und streichelten sie, flüsterten liebe Worte, weinten dabei...es war so unfassbar schön und gleichermaßen eben auch unfassbar traurig, das zu sehen. Ich machte die ersten und letzten Bilder, ließ mir ihre Adresse geben und ging dann irgendwann.
Enya bedeutet übrigens „kleines Feuer“, aber dazu später mehr.
Nach einiger Zeit, bekam ich von den Eltern Freundschaftsanfragen auf FB...ich war erstaunt, weil wir nicht wirklich viel dort miteinander geredet hatten (wie gesagt, für mich ist das in so einer Situation völlig verständlich und ok, ich rechne auch nach dem Abschicken der Bilder nicht mit nachträglichem oder späteren Kontakt. Das ist ebenfalls in Ordnung), nahm sie aber natürlich dann auch gerne an. Irgendwann schrieben sie mir. Dankbare, liebe Worte. Ja sogar eine Spende an unsere Stiftung DEIN Sternenkind gab es, plus Tücher und Perlen für meine Arbeit, aber auch mal Schokolade für mich. Total lieb und hat mich unheimlich gefreut.
Aber das ist noch nicht alles...
Irgendwann wurden die Nachrichten vertrauter, freundschaftlicher, man verstand sich. Man freundete sich an. Sie gaben mir nachträglich sogar noch die Bildfreigabe.
Irgendwann dann bekam ich die Nachricht, dass ein Regenbogenbaby unterwegs sei. Ich freute mich sehr für die beiden, hatte aber auch Verständnis als sie mir erzählten, sie können nicht mehr unbedarft diese Schwangerschaft genießen. Ich konnte das nachvollziehen.
Man ist eben ängstlicher und geht dann lieber einmal mehr zur Kontrolle. Ich finde das ist sehr verständlich.
Trotz der Sorgen und Ängste erblickte am 19.03.2020 das Regenbogenbaby Mila das Licht der Welt. Gesund und munter.
Die Eltern (und ich) waren glücklich und auch erleichtert.
Mila, aus dem spanischen bedeutet es „Wunder“. Und das ist sie für die beiden auch. Ihr ganz persönliches, kleines Wunder.
Kurz darauf war ich dann auch dort. Besuchte die Familie zu Hause und habe ihnen ein paar Fotos von ihrer kleinen Mila geschenkt. So wie sie einst von mir die Bilder von Enya geschenkt bekommen haben.
Mila, das kleine Wunder, ist mittlerweile ein Jahr alt geworden. Und Enya ? Enya, das „kleine Feuer“ brennt weiterhin und für immer in den Herzen aller, die sie kennengelernt haben. Und heute sogar ganz besonders stark, denn heute feiert sie ihren 2. Geburtstag bei den Sternen.
Und deshalb erzähle ich diese Geschichte.
Mila und Enya. Ein Wunder und ein ewig brennendes, kleines Feuer.
Happy Birthday Mila (nachträglich nochmal) und ganz besonders heute an Enya: Ganz viel Liebe sende ich Dir zu Deinem 2. Geburtstag nach oben zu Deinem Stern ❤️!
Ich vergesse Dich nicht ! Niemals !
Happy Birthday, hübsche Enya !
Danke auch nochmal an die Eltern für die Bildfreigabe, aber noch mehr für Eure Freundschaft ! Ich drück Euch aus der Ferne ! Heute ganz besonders fest !!!