29/08/2026
Diese Woche durfte ich am Universitäts-Kinderspital in Zürich die Tagung „Aufwachsen in einer digital geprägten Umwelt” mit einem Rahmenprogramm gestalten.
Bei den Fachvorträgen war ich überrascht, in welchem jungen Alter viele Kinder heute mit digitalen Medien in Berührung kommen. Drei von vier Kinder zwischen 0 und 2 Jahren überschreiten die WHO-Empfehlung zur Bildschirmzeit. Die Folgen dieser Veränderung sind bekannt. Regelmässige Bildschirmzeit bedeutet in diesem jungen Alter negative Auswirkungen auf soziale Interaktionen, Schlaf, Kognition oder auch die sprachliche Entwicklung. Besonders eindrücklich fand ich diese Studie: Traditionell verlief die Lebenszufriedenheit über die Lebensspanne U-förmig, mit einem Tief im mittleren Alter und einer Erholung danach. Dieses Muster verschwindet zunehmend – stattdessen sinkt das Wohlbefinden junger Menschen seit den 1990er-Jahren kontinuierlich, die Hoffnungslosigkeit bei unter 25-Jährigen steigt seither stetig an. Zeitlich fällt das mit dem Aufstieg der sozialen Medien zusammen.
In der Vorbereitung für meinen Vortrag habe ich mich gefragt, welchen Einfluss die sozialen Medien auf meine Kindheit hatten. Dabei habe ich ausgerechnet, dass ich in meinem Leben bereits über 100 Tage auf Instagram verbracht habe. Dabei konnte ich sicher viel Kreativität schöpfen und bin dankbar über die Möglichkeiten, die ich dank den sozialen Medien bekommen habe. Aber zu einem Grossteil habe ich mich auch etwas verloren gefühlt und oft ein schlechtes Gewissen bekommen.
Selbst wenn ich aus heutiger Sicht mit 13 Jahren erst spät ein Handy hatte, frage ich mich manchmal, wie viele Erfahrungen mir dadurch entgangen sind. Ich werde die Zahl von 100 Tagen in Zukunft im Hinterkopf haben und daran arbeiten, meinen Konsum möglichst bewusst zu gestalten. Gleichzeitig glaube ich, dass sich die sozialen Medien auch positive Themen und Inspiration fördern können, wenn es im richten Ausmass ist.
Die Gedanken zu allen Eindrücken lagen mir auf dem Herzen und vielleicht regen sie einen Austausch an. Danke fürs Lesen 😊
Herzlichen Dank für die Einladung Kinderspital Zürich & Oskar Jenni!