24/08/2026
Die Ellenbogen.
Sie setzt sich vor die Kamera und macht als Erstes die Ellenbogen schön breit. Ungefähr so wie manche Männer in der U-Bahn ihre Knie. Ihr kennt das, oder?
Eine elegante Seidenbluse, eine feminine Figur – und dazu die Haltung eines American-Football-Verteidigers.
Nach vielen Jahren, in denen ich Frauen in Führungspositionen fotografiere, ist mir etwas Interessantes aufgefallen:
Viele von ihnen haben jahrelang nicht nur ihre Expertise perfektioniert, sondern sich gleichzeitig ein bestimmtes Auftreten antrainiert – als Extra-Portion Autorität.
Eine kräftige Stimme.
Ein fester Blick.
Und Ellenbogen, Ellenbogen, Ellenbogen …
Diese patriarchale, testosterongeladene Männerwelt ist biologisch vielleicht irgendwie erklärbar – fair ist sie deshalb noch lange nicht. Und gesellschaftlich hält sie sich erstaunlich hartnäckig.
Sie prägt auch die Körpersprache von Frauen.
Und beim Shooting sieht man das sofort.
Eine Frau nimmt automatisch eine Verteidigungsposition ein – als würde ihr gegenüber schon der nächste imaginäre Konkurrent sitzen, der jeden Moment ihre Kompetenz infrage stellt. Einfach nur, weil sie eine Frau ist.
Schultern nach vorne.
Kinn nach oben.
Sie macht sich optisch doppelt so groß.
Und der Blick unter den Augenbrauen sagt:
„Wag es bloß nicht …“
Ich nenne das für mich „Ellenbogenmodus“ – Ellenbogen raus und bloß keine Schwäche zeigen.
Und ehrlich gesagt spürt man dahinter fast immer eine ganze Geschichte. Eine Geschichte darüber, wie diese Frau sich ihren Platz erkämpfen musste.
Und meistens ist das keine besonders lustige Geschichte.