06/11/2020
Heute möchte ich gerne diesen Wordap von der geschätzten Eventagentur Eventmanagement heinreichsberger teilen.
Ich durfte Georg Geczek im Rahmen des C.A.S.H Handelsforum 2020 in Schladming kennenlernen. Top Mann! Die Veranstaltung hat bewiesen, dass auch in Corona Zeiten unter Einhaltung aller notwendigen Maßnahmen sicher veranstaltet werden kann.
EVENTMANAGEMENT heinreichsberger
lädt ein zum freitäglichen W.O.R.D.R.A.P
Heute freut es mich besonders, jemanden vom Österreichisches Rotes Kreuz vorzustellen. Georg Geczek leitet das Competence Center Event Safety beim Wiener Rotes Kreuz. Er ist seid der ersten Lockdown Phase eine sehr gefragte Persönlichkeit und trägt vieles dazu bei, dass wir in Sicherheit auch zukünftig veranstalten können.
#65 | Georg Geczek – Competence Center Event Safety Management bei Wiener Rotes Kreuz | Gewerberechtlicher Geschäftsführer
• Erzählen Sie uns von Ihren Anfängen beim Roten Kreuz?
Ich habe 2005 als ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Wiener Roten Kreuz angefangen. Zuerst mit der Ausbildung zum Rettungssanitäter, dann diverse Ausbildungen im Katastrophenhilfsdienst und schließlich auch Ausbildungen zur Einsatzführungskraft absolviert. Ich habe damals, nach acht erfolgreichen Jahren mit einer eigenen IT Firma einen völligen anderen Weg eingeschlagen, die Firma verkauft und sozioökonomisches Krisen- und Katastrophenmanagement studiert. Dadurch ist auch mein Interesse an einem Engagement beim Roten Kreuz geweckt worden. Bereits 2007 hat sich dann eine berufliche Option für mich ergeben rund um den Sanitätsdienst bei der EURO 2008. Seitdem verbinde ich voller Freude meine hauptberufliche Tätigkeit und ehrenamtliches Engagement in verschiedensten Funktionen und Aufgabengebieten.
• Als Leiter des Competence Center Event Safety Management haben Sie welche Aufgaben?
Die Aufgaben sind vielfältig. Ich entwickle, plane und vertreibe unsere Kursformate, kümmere mich um die gesamte Organisation und Betreuung der Kursteilnehmer*innen, koordiniere die Arbeit der verschiedenen Expert*innen die für uns tätig sind und nebenbei koche ich gern auch mal den Pausenkaffee . Ich bin aber auch als Vortragender und Berater für Veranstaltungssicherheit in ganz Österreich und Deutschland unterwegs.
• Gemeinsam mit einigen Mitstreitern haben Sie im Juni 2020 ein neues Kursangeboten in die Wege geleitet, wie war hier Ihre Herangehensweise?
In der ersten Lockerungsverordnung wurde erstmals für Veranstaltungen ab einer gewissen Größenordnung ein COVID-19 Beauftragter gefordert. Ich habe mich dann recht schnell damit auseinandergesetzt welche Aufgaben diese COVID-19 Beauftragten übernehmen sollen. Eine Ausbildung war/ist ja nicht gefordert, aber meine Erfahrung hat mir gesagt, dass es dennoch rasch einen Bedarf für einen Kurs geben könnte. Eigentlich bieten wir ja nur Präsenzkurse an, aber für diesen Kurs wollte ich erstmals eine Onlineversion anbieten. Zeitliche und örtliche Flexibilität waren mir wichtig. Ich habe mit zwei Kollegen recht schnell das Curriculum geschrieben. Dann ging es an die Suche nach Vortragenden und die Produktion zu planen. In nur drei Wochen haben wir es geschafft von den ersten Notizen bis zum Go-Live. Die andauernde überwältigende Resonanz bestätigt, dass sowohl Idee als auch Umsetzung den Bedarf punktgenau getroffen hat.
• Ich selbst habe den Kurs „COVID-19 BEAUFTRAGTER bei Ihnen erfolgreich abgeschlossen, wie war das generelle Feedback?
Bisher haben wir zu 98% nur sehr positive Rückmeldungen. Der Kurs wird extrem gut angenommen und die Teilnehmer*innen schätzen neben der Aufbereitung und der Qualität der Vortragenden vor allem, dass man zeitlich völlig flexibel daran teilnehmen kann und dass auch nach dem Abschluss des Kurses der Zugang weiter genutzt werden kann. Somit ist das vermittelte Wissen keine Momentaufnahme der IST-Situation, sondern alle Entwicklungen der durchaus dynamischen Verordnungshistorie können immer wieder angesehen werden.
• Wie viele zertifizierte COVID-19 BEAUFTRAGE hat nun Österreich?
Ich muss hier ein bisschen relativieren, weil „zertifiziert“ ist durch die Teilnahme an unserem Kurs noch niemand. Aber absolviert haben unseren Kurs inzwischen über 6.500 Personen aus Österreich und sogar etliche Teilnehmer*innen aus Deutschland. Wir bieten aber ab Ende November in Kooperation mit dem TÜV Austria eine echte Personenzertifizierung an. Es gibt dann eine 45minütige Prüfung zu den Inhalten unseres Kurses für COVID-19 Beauftragte. Wenn diese positiv absolviert wird ist man TÜV zertifizierte/r COVID-19 Beauftragte/r.
• Ihr Angebot wurde vorwiegend von welchen Personen gebucht?
Die Teilnehmer*innen kommen aus so vielen Bereichen, dass die einfachste Antwort lautet: Personen, die sich ernsthaft mit Maßnahmen zur Prävention von Covid-19 auseinander setzten wollen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Die Mischung der Bereiche geht klassisch beginnend beim Veranstaltungssektor von Eventagenturen, Produktionsdienstleistern, Caterern, Sicherheitsdienstleistern über Mitarbeiter*innen aus Tourismusverbänden, der Hotellerie und der Gastronomie bis hin zu Bildungseinrichtungen, Pfadfinder*innen und Blaulichtorganisationen.
• Als Erweiterung bieten Sie nun auch den Kurs „Covid-19: Krisenkommunikation für Veranstaltungen“ an, welche Wichtigkeit sehen Sie darin?
Wenn es durch eine Veranstaltung zu Infektionen von Menschen mit dem Coronavirus kommt, dann ist das natürlich für die Medien von Interesse. Es kann daher sein, dass Veranstalter*innen in die Situation kommen plötzlich ein Interview geben zu müssen oder Presseanfragen zu beantworten. Wir wollen mit diesem Kurs ein Grundlagenwissen zur Krisenkommunikation anbieten, um für solche Situationen besser gerüstet zu sein. Es ersetzt natürlich kein professionelles Medientraining oder die Arbeit von PR-Agenturen, aber der Kurs vermittelt, dass man mit guter Vorbereitung keine Panik kriegen muss, wenn die Medien anklopfen. Wie bei allen Themen des Krisenmanagements – Vorbereitung ist die halbe Miete.
• Eigenschaften die man im Krisenmanagement unbedingt an den Tag legen sollte?
Für mich sind die essentiellsten Fähigkeit im Krisenmanagement: klar strukturiert und vernetzt zu Denken und zu Handeln und dabei immer bereit sein über den eigene „Tellerrand“ zu blicken.
Man darf sich nicht in Details verlieren, sondern sollte in der Lage sein auch ein paar Schritte zurück zu gehen, um einen breiteren Blickwinkel auf die Situation zu haben. Zudem ist es hilfreich, wenn man eine gewisse Ruhe und Besonnenheit ausstrahlt. Ergänzend sollten dann noch Entscheidungsstärke und Durchsetzungsvermögen kombiniert mit Kommunikationsskills vorhanden sein. Wichtig ist, dass diese Eigenschaften eben auch in belastenden und stressigen Situationen vorhanden sind. Ich habe schon bei Krisenstabs-Übungen Menschen erlebt, die in ihrem Job tagtäglich alle diese Eigenschaften aufweisen aber unter hohem Druck trotzdem die Nerven wegschmeißen. Darum bin ich ein großer Fan von Übungen, weil dadurch die Möglichkeit besteht im geschützten Rahmen herauszufinden wer in welcher Rolle zur aktiven Bewältigung von Krisensituationen geeignet ist.
• Thema: Präventionskonzepte? Gibt es hier Ihrerseits Empfehlungen wie Veranstalter damit umgehen sollten?
Es sollte vor allem ernst genommen werden. Ich habe in den letzten Wochen unzählige Konzepte gelesen und bei allem Verständnis, dass es oft als nervig empfunden wird ein COVID-19 Präventionskonzept verfassen zu müssen, es ist nun mal die Grundlage die, wenn wir nicht gerade wieder in einer Lockdown-Phase sind, es ermöglicht überhaupt Veranstaltungen durchführen zu können. Die Intention ist, dass sich Veranstalter*innen des Infektionsrisikos bewusst sind und alle nötigen Maßnahmen treffen um dieses Risiko soweit zu reduzieren, dass der Besuch einer Veranstaltung kein höheres Infektionsrisiko darstellt als einkaufen zu gehen oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Denken Sie die Phasen der Veranstaltung durch, wo kommt es möglicherweise zu Stauungen (Einlass, Garderobe, …) oder wo gibt es häufig berührte Kontaktflächen. Abstand und Hygienemaßnahmen sind essentiell. Wenn man sich dessen bewusst ist, dann wird auch das Präventionskonzept gelingen. Diese Verschriftlichung beweist, dass man mit höchster Verantwortung gegenüber Besucher*innen Mitarbeiter*innen, Akteuer*innen, etc. agiert.
• Montag 02.11.2020, war ein Datum welches niemand von uns vergessen wird. Waren Sie hier auch im Einsatz?
Ja ich war wie ganz viele meiner ehrenamtlichen und hauptberuflichen Kolleg*innen im Einsatz. Solche Ereignisse prägen sich natürlich ein und zeigen auf, dass es leider keine 100%ige Sicherheit gibt, selbst in einem Land wie Österreich. Ich habe irgendwo gelesen, dass wir jetzt keine Insel der Seeligen mehr sind. Das mag sein, aber wir sind definitiv eine Insel in einem Meer aus Solidarität, Zivilcourage, Zusammenhalt und Menschlichkeit und das Zusammenspiel aller Einsatzorganisationen hat überwältigend gezeigt, dass wir gut vorbereitet sind, selbst auf solche Ereignisse wie am Montagabend.
• Welche Tätigkeiten bringen Sie privat auf andere Gedanken und unterstützt Sie Krisensituationen zu vergessen?
Primär Zeit mit der Familie und mit guten Freunden. Ich bin gerne in der Natur und gehe Bogenschießen. Sportliche Aktivität und eins werden mit den Zielen helfen den Kopf frei zu bekommen zumal man sehr direktes Feedback bekommt ob man fokussiert ist oder nicht. Ein Gedanke an was Anderes und man trifft einfach nichts ;-)
• Erste Hilfe bedeutet für Sie?
Zu Helfen wo Menschen verletzt oder erkrankt sind. Das Einzige was man bei Erster Hilfe falsch machen kann ist nichts zu tun. Wenn jemand aus welchem Grund auch immer sich nicht in der Lage fühlt aktiv jemanden zu versorgen, dann gibt es noch viele andere Aufgaben die man, je nach Situation, übernehmen kann. Einen Notruf absetzen, eine Defibrillator holen, Sichtschutz halten, … Erste Hilfe ist gelebte Menschlichkeit.
Nächster Wordrap: Fr.13.11.2020