30/03/2024
Es ist Ostern und vielleicht mal wieder Zeit einen kritischen Blick auf die Welt und uns selbst darin zu richten und den Sinn des Lebens zu beleuchten.
(Achtung, Lesedauer ca. 3 Minuten)
Die Welt ist voller Geschehnisse, die ich nicht alle verstehen kann und die mehr oder weniger an mir vorüber ziehen. Die Frage, ob man sich damit überhaupt beschäftigen will und alle Nachrichten, die verfügbar sind verfolgt, oder ob man sich einfach dem entzieht ist längst beantwortet.
Meine Beobachtung ist, dass sehr viele Menschen nur noch an sich selbst denken und versuchen, aus allem ihren Vorteil zu ziehen. Und ja, ich lasse die Welt sich drehen und kümmere mich nicht um die Nachrichten oder die Unglücke dieser Welt. Also schaue auch ich nur auf mich selbst.
Dieser Umkehrschluss entspricht aber einem Gedankengang, bei dem nur in die Extreme gedacht wird. Tatsächlich kann ich die Welt aber trotzdem ein bisschen besser machen. Oder auch schlechter.
Ich glaube nicht, dass sich mein Einfluss auf das Weltgeschehen wesentlich vergrößert, wenn ich mir Nachrichten aus der Welt ansehe. Besonders, da die Nachrichten, egal aus welcher Quelle, von irgendwem verfasst wurden und aller Wahrscheinlichkeit nach entweder verfälscht oder aus einem anderen Kontext gerissen sind.
Auf mich zu schauen bedeutet für mich aber nicht, nur an meine Vorteile zu denken. Es bedeutet, dass es dort eine kleine Welt gibt, die aus meinem Umfeld besteht und auf die ich Einfluss nehme.
Ich entscheide jeden Tag neu, wer zu dieser Welt gehört und welche Rolle ich darin übernehme.
Niemals würde ein Ereignis aus dieser kleinen Welt in den Fernseh-Nachrichten Platz finden.
Aber möglicherweise gibt es Menschen, denen es etwas bedeutet Worte von mir zu hören oder zu lesen. Egal ob ich die Worte schreibe, spreche oder singe, es kann Dinge verändern.
Was wir Menschen brauchen ist Gemeinsamkeit. Wir suchen uns Freunde und Partner, von denen wir glauben, dass wir Dinge gemeinsam haben. Ein gleiches Hobby, gleiche politische Meinung, gleiche Religion oder ein Haus in der selben Straße. Aber was machen wir in dieser Gemeinschaft?
Wir stellen immer wieder fest, dass es kompliziert wird, dass die Freude, die man daran empfindet unausgewogen ist und dass Partnerschaften und Beziehungen wieder kaputt gehen und zerbrechen.
Warum ist das so?
Sollte es nicht ganz einfach sein die Freude und das Glück zu teilen?
Ich denke das ganze Problem beginnt mit einem Denkfehler. Ein Fehler den wir naturgemäß machen, weil wir in unserer Kindheit nicht gelernt haben wie man sich in einer Gemeinschaft bewegt, sondern nur, wie hoch der höchste Berg der Welt ist oder was Primzahlen sind.
Der Fehler liegt darin, dass wir glauben, wir müssten zunächst all unsere Bedürfnisse befriedigen und wenn wir darüber hinaus noch Kapazitäten haben, dann kümmern wir uns um Andere und bieten Hilfe an. Andere freuen sich über die Hilfe, da ihre eigenen Kapazitäten noch nicht gedeckt sind. Sie beginnen also damit die Energien zu saugen und ihren Bedarf damit zu befriedigen. Umso besser das funktioniert weil es genug helfende Menschen drumherum gibt, umso weniger Energie verwendet der Hilfebedürftige um aus eigener Kraft seine Bedürfnisse zu stillen.
Gerne werden dann auch Hilfsmittel hinzugezogen, die es rechtfertigen, nicht mehr aus eigener Kraft zu agieren. Krankheiten sind dazu z.B. immer gerne gesehen. Durchaus manifestiert sich eine kleine Krankheit wie ein Kopfschmerz dann auch mal zu einem chronischen Problem, da die Lösung gut funktioniert.
Ok, ich will es mal nicht auf die Spitze treiben. Ich weiß schon, dass jetzt wieder Hunderte ihren Finger heben und es als unverschämt empfinden, eine ernste Krankheit derart herunter zu spielen.
Das eigentliche Problem, dass ich hier ansprechen will ist ja der Denkfehler.
Was wäre, wenn wir als Kinder gelernt hätten, dass man in einer Gemeinschaft sehr viel mehr Freude und Glück bekommen kann, als man es aus eigener Kraft je generieren könnte, einfach indem wir die Anderen von vorne herein in all unser Handeln und Tun mit einbeziehen?
Wir könnten voneinander lernen und gemeinsam wachsen.
Ich weiß, das ist keine neue Idee und im Grunde Jedem klar. Jeder wird natürlich sofort sagen: „Das funktioniert ja nur wenn Alle das so machen. Tanzt Einer aus der Reihe, geht Alles den Bach runter.“
Und ja, genau so ist es. Und genau deswegen kann ich jeden Tag neu entscheiden, wer in meiner kleinen Welt einen Platz findet und wer sie wieder verlässt. Ich habe viele Trennungen erlitten und oftmals sind Menschen aus meiner kleinen Welt gegangen, die ich gerne behalten hätte. Aber ich sehe meine Aufgabe auch darin, die Menschen zu finden, mit denen das Ganze funktioniert.
Auch eine Partnerin zu finden, mit der das funktioniert.
Daraus, so denke ich, erwächst schlussendlich Liebe.
Allerdings stellt es sich mit wachsender Lebenserfahrung auch immer schwieriger dar, eben diese Menschen zu finden.
Ich selbst habe bereits ein Stück Geschichte meines Lebens zu erzählen und da man seine Gemeinschaft ja in der Regel auch unter einigermaßen Gleichaltrigen (von einer gewissen Toleranz mal abgesehen) sucht, haben auch die Anderen ihre Geschichte im Gepäck und die Erfahrungen dieser Welt sind meistens nicht unbedingt durchweg positiver Natur.
Mit anderen Worten, Jeder ist sehr viel vorsichtiger geworden, etwas von sich zu geben, weil man aus seinen Erfahrungen gelernt hat und diese nicht wiederholen möchte.
Wenn ich zurück blicke, kann ich sagen, dass mir einige Fehler auch mehr als einmal unterlaufen sind. Ich sehe in jeder Begegnung eine neue Chance. Ich gebe immer wieder etwas, ohne etwas dafür zu verlangen. Ich freue mich natürlich auch, wenn ich etwas bekomme aber ich richte meine Aufmerksamkeit auf die Kraft, die ich gemeinsam mit einem anderen Menschen erlangen kann, einfach durch gemeinsame Freude und Aktivität. Das erfordert unweigerlich, sein Herz zumindest ein Stück weit zu öffnen und den oder die Menschen dort hinein zu lassen. Leider vergeht oftmals erst eine gewisse Zeit, bis sich heraus stellt, dass der Mensch nicht in den Kreis passt. Dann kommt der Schmerz, den das Herausreißen aus dem Herzen verursacht.
Viele reden hier von Narben auf dem Herzen und von einer Leere die bleibt.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, auch aus jüngster Zeit, dass es weh tut. Sehr weh.
Aber was hätte es für einen Sinn, wenn ich in dieser Trauerhaltung verbleibe? Was nützt es, wenn ich diese Erfahrungen nur dazu nutze, sie in Zukunft nicht mehr machen zu müssen? Wie kann das Leben einen Sinn haben, wenn ich diese Schlittenfahrt in einer Sackgasse abschließe?
Die Leere kann man wieder füllen. Nicht ersetzen wohl gemerkt. Vielmehr muss ich diese Leere selbst füllen, aber ich darf dazu natürlich auch mal die Hilfe der anderen lieben Menschen um mich herum nutzen. Verluste und der Schmerz werden überwunden, wenn man Liebe um sich herum spürt. Alles verteilt sich wieder und die schlechten Dinge verschwinden irgendwann wieder im Meer der Freude, die man mit anderen Menschen erfährt. Wenn dann die Leere im Herzen wieder gefüllt ist, ist man bereit wieder jemanden in den Kreis bzw. engsten Kreis aufzunehmen. Und auch hier kann ich wieder jeden Tag entscheiden ob ich das mache, wer dieser Mensch sein wird und wie weit ich ihn an mich heran lasse.
Aber Eines werde ich wohl nie ändern. Ich werde immer wieder von vorne anfangen und nie einen Menschen für die Fehler eines Anderen oder meiner Eigenen verantwortlich machen. Vielleicht wird es immer wieder weh tun. Aber es wird auch immer wieder Glück und Freude bringen.
So ist das Leben nun mal. Das Gute kann nicht ohne das Böse leben und anders herum.
Das muss ich akzeptieren. Aber ich muss darüber nicht nachdenken, denn diesen Vertrag habe ich schon vor meiner Geburt unterschrieben und ich bin dankbar, dass ich die Emotionen spüren kann und in allen Facetten leben darf.
Also ja, es geht immer weiter und mein Wunsch nach Harmonie und durchgehender Freude und Glück wird vermutlich immer ein Wunsch bleiben, aber das Ziel ist ein anderes. Das Ziel ist zu leben und das Ziel ist bereits erreicht. Hier und jetzt sowie immer.
Foto: CreaGrafico.com
Sonnenaufgang in Güímar