Jeden Tag ein Foto

Jeden Tag ein Foto Jeden Tag ein Foto

Wir zeigen den Alltag, jenseits von Spannungen und Kriegen. Unsere Welt - jeden Tag ein Beispiel. Jeden Tag ein Bild aus unserem Leben.

Ein Lächeln, ein Stück Brot, eine Katze, eine Stubenfliege ... - unser Alltag.

Da steht einer, der in seiner Welt ein Riese ist. Reto Friedli. Spitzenhandballer. Kraftprotz. Ein Mann, der Verteidiger...
03/06/2026

Da steht einer, der in seiner Welt ein Riese ist. Reto Friedli. Spitzenhandballer. Kraftprotz. Ein Mann, der Verteidiger wegschiebt wie Möbelstücke. Der Bälle wirft, dass Torhüter nur noch den Luftzug spüren.

Und hier? Hier fliegt er.

Matthias Glarner hat ihn gepackt, angehoben, gedreht – und legt ihn ins Sägemehl wie ein Kind, das man ins Bett trägt. Friedlis Hände greifen ins Leere. Seine Beine suchen den Boden, der nicht mehr da ist. Sein Gesicht sagt: Das war keine gute Idee.

Es ist dieser eine Moment – eingefangen in einer Hundertstelsekunde – der alles erzählt. Kraft ist nicht gleich Kraft. Der Handballer hat Muskeln. Der Schwinger hat Schwerkraft. Er macht sie sich zum Verbündeten, während sein Gegner gegen sie kämpft.

Das Sägemehl ist demokratisch. Es ist weich für alle. Für Könige und Kraftprotze. Für Sieger und Flieger. Es fängt jeden auf – aber es entscheidet nicht, wer oben bleibt.

Im Handball entscheidet die Hand. Im Schwingen entscheidet der Griff. Und manchmal muss ein Riese fliegen lernen – unfreiwillig, kopfvoran, mit Sägemehl im Haar.

Fotos: Roland Peter
Belichtungszeit: 1/250 sec
Blende: f/2.8
ISO 2500
Brennweite: 82 mm
Kamera Objektiv: 70.0-200.0 mm f/2.8

Sie sitzt in der Mitte. Wartet. Acht Beine, ein Plan, unendliche Geduld. Die Spinne in ihrem Netz – ein Motiv, das jeder...
02/06/2026

Sie sitzt in der Mitte. Wartet. Acht Beine, ein Plan, unendliche Geduld. Die Spinne in ihrem Netz – ein Motiv, das jeder kennt. Das jeder schon gesehen hat. Und das fast niemand fotografieren kann.

Warum? Weil ein Spinnennetz ohne Licht nicht existiert. Jedenfalls nicht auf dem Foto.

Frontal beleuchtet: unsichtbar. Zu hell: ausgebrannt. Von oben: flach. Erst das richtige Licht – schräg, hart, gezielt – dann leuchten die Fäden auf. Dann wird aus Nichts eine Architektur. Dann sieht man, was immer da war, aber nie sichtbar wurde.

Hier war es ein Sonnenstrahl. Genau so, dass jeder Faden zum Silberdraht wird. Die Spinne selbst bleibt warm – Braun, Gold, die feinen Zeichnungen auf dem Rücken. Aber das Netz dahinter wird zur Kathedrale aus Geometrie.

Dunkelheit ist kein Feind des Fotografen. Sie ist sein bester Hintergrund. Schwarz schluckt alles – ausser das, was leuchtet. Und was leuchtet, bestimmst du.

Das ist das Geheimnis: Nicht das Motiv macht das Bild. Nicht die Kamera. Nicht der Moment. Es ist das Licht. Immer das Licht. Es entscheidet, ob du eine Spinne fotografierst – oder ein Universum.

Eine Spinne baut ihr Netz im Dunkeln. Der Fotograf macht es sichtbar. Beide brauchen Geduld – und den richtigen Moment.

NIKON D800
Belichtungszeit: 1/400 sec
Blende: f/10
ISO-Wert: ISO 800
Brennweite: 200 mm

Strukturen.Manchmal sehe ich ein Bild – und sehe erst beim zweiten Blick, warum es mich festhält. Hier ist es nicht die ...
01/06/2026

Strukturen.

Manchmal sehe ich ein Bild – und sehe erst beim zweiten Blick, warum es mich festhält. Hier ist es nicht die Bergkette. Nicht der Herbst. Es sind die Linien.

Die Mahd hat dem Feld ein Muster eingeschrieben. Parallele Bahnen, sanft geschwungen über die Kuppe, wie Notenlinien ohne Melodie. Oder wie ein frisch gekämmtes Fell – die Landschaft nach dem Friseur.

Und dann: der Bruch. Rechts daneben ein zweites Feld, anders gemäht, andere Richtung. Eine unsichtbare Grenze trennt zwei Handschriften. Zwei Bauern? Zwei Tage? Zwei Maschinen? Man weiss es nicht – aber man sieht es.

Dahinter: Tannen. Senkrecht. Dunkel. Ein Gegenrhythmus zur Horizontalen der Felder. Und ganz hinten die Berge – gezackt, weiss, still. Eine dritte Struktur. Eine, die kein Mensch gemacht hat.

Drei Ebenen. Drei Sprachen.

Die erste sagt: Hier hat jemand gearbeitet.
Die zweite sagt: Hier wächst etwas seit Jahrhunderten.
Die dritte sagt: Hier war ich schon, bevor ihr alle kamt.

Fotografie ist manchmal nichts anderes als: Ordnung sehen, wo andere nur «Landschaft» sehen.

Ein magischer Start in den Tag direkt vor der Haustüre! Während die Welt langsam erwacht, streift dieser junge Fuchs auf...
31/05/2026

Ein magischer Start in den Tag direkt vor der Haustüre! Während die Welt langsam erwacht, streift dieser junge Fuchs auf leisen Pfoten durch das morgendliche Grün. Das weiche Sonnenlicht lässt sein Fell sanft schimmern, während er neugierig und voller Unschuld die Umgebung erkundet. Ein flüchtiger, wunderschöner Moment der Stille, der zeigt, wie nah uns die unberührte Wildnis manchmal ist. Ein friedlicher Grussder Natur für einen guten Start in den Tag.

Unter dem schützenden Dach der alten Weide leuchtet ein Rhododendron wie ein kleines Fest der Natur. Seine unzähligen ro...
29/05/2026

Unter dem schützenden Dach der alten Weide leuchtet ein Rhododendron wie ein kleines Fest der Natur. Seine unzähligen rosavioletten Blüten scheinen das Sonnenlicht einzufangen und in tausend feinen Farbtönen wieder freizugeben. Während die Wiese bereits die ersten Spuren des Sommers trägt, steht dieser Blütenstrauch in voller Pracht da – als hätte er beschlossen, dem Tag ein wenig mehr Schönheit zu schenken.

Der verwitterte Zaunpfosten daneben wirkt wie ein stiller Wächter, der dieses Schauspiel seit Jahren beobachtet. Die Weide breitet ihre Zweige schützend aus, spendet Schatten und Ruhe. Alles zusammen erzählt von einem Ort, an dem die Zeit etwas langsamer vergeht.

Wer Freude an Blumen hat, sieht hier vielleicht mehr als nur einen blühenden Strauch. Vielleicht einen kleinen Beweis dafür, dass die Natur selbst in ihrer Einfachheit Grosses schafft – Farben, die das Herz erfreuen, und einen Augenblick, der für einen Moment alle Sorgen vergessen lässt.

Zehn kleine Wesen, gelandet auf nackter Erde in unserem Garten. Bläulinge. Flügel wie Seide, bemalt mit Punkten, die nie...
28/05/2026

Zehn kleine Wesen, gelandet auf nackter Erde in unserem Garten. Bläulinge. Flügel wie Seide, bemalt mit Punkten, die niemand zählen muss. Silbergrau von aussen, azurblau von innen – als trügen sie ein Geheimnis unter dem Mantel.

Sie sitzen da. Still. Dicht beieinander. Keine Hektik. Kein Flattern. Nur Flügel, die sich öffnen und schliessen wie atmende Bücher.

Was tun sie? Sie trinken. Mineralien aus der feuchten Erde. Salz. Spurenelemente. Das, was kein Nektar bieten kann. Die Wissenschaft nennt es «Mud-Puddling». Ich nenne es: Vertrauen in den Boden.

Die nicht wegfliegen, obwohl sie könnten. Die bleiben, weil hier etwas ist, das sie brauchen.

Manchmal liegt das Kostbarste nicht in der Blüte. Sondern im Staub darunter.

Danke.Mein Onkel wird 80. Ich wollte ihm eine persönliche Weinetikette machen. Etwas Einmaliges. Etwas, das man nicht ka...
27/05/2026

Danke.

Mein Onkel wird 80. Ich wollte ihm eine persönliche Weinetikette machen. Etwas Einmaliges. Etwas, das man nicht kaufen kann.

Das Problem: Ich brauchte ein gutes Bild. Ein richtig gutes. Und da fiel mir dieses Foto ein – gemacht von einem befreundeten Profifotografen für eine Zeitung. Licht, Ausdruck, Schärfe – alles stimmt. Weil ein Profi am Auslöser war.

Also habe ich ihn gefragt. Ob ich das Bild verwenden darf. Für die Etikette. Selbstverständlich gegen Honorar – denn gute Arbeit verdient Bezahlung. Das ist für mich keine Frage.

Seine Antwort: «Nimm es. Gratis. Für deinen Onkel.»

Eine kleine Geste? Vielleicht. Aber sie zeigt etwas Grosses: Grosszügigkeit unter Kollegen. Wertschätzung, die in beide Richtungen fliesst. Und das Verständnis, dass nicht alles einen Preis haben muss – aber immer einen Wert hat.

Das Resultat klebt jetzt auf einer Flasche Rotwein. Limited Edition. Jahrgang 1946. Auflage: 1 Stück.

Danke, mein Freund. Dein Bild macht die Flasche zum Unikat – und meinen Onkel zum Etikettenmodel wider Willen.

Freigang.Unser Nachbar hat vier Kaninchen. Grosses Gehege, eigener Stall, All-Inclusive. Ab und zu dürfen sie raus – auf...
24/05/2026

Freigang.

Unser Nachbar hat vier Kaninchen. Grosses Gehege, eigener Stall, All-Inclusive. Ab und zu dürfen sie raus – auf Bewährung sozusagen.

Und jetzt das Erstaunliche: Sie hauen nicht ab. Rundherum Landwirtschaftsgelände. Hektarweise frisches Gras. Keine Mauern. Keine Zäune. Das Paradies liegt buchstäblich drei Hüpfer entfernt. Aber nein – sie schnuppern am Rand, knabbern am Bekannten und bleiben auf dem Grundstück. Freiwillig.

Kein Grenzzaun. Kein Kontingent. Einfach: Hier ist es gut genug.

Vielleicht sind Kaninchen klüger als wir denken. Sie wissen: Freiheit heisst nicht, dass man gehen muss. Freiheit heisst, dass man bleiben darf – und sich trotzdem jeden Tag neu dafür entscheidet.

Oder sie sind einfach faul. Auch eine valable Lebensphilosophie.

Vier Kaninchen, null Fluchtversuche. Wenn das Zuhause stimmt, braucht es keinen Zaun.

Gestern hatte ich einen kleinen Fotoauftrag auf dem Flugplatz Thun. Beim Warten auf Pilot und Passagier entdeckte ich di...
23/05/2026

Gestern hatte ich einen kleinen Fotoauftrag auf dem Flugplatz Thun. Beim Warten auf Pilot und Passagier entdeckte ich diese beiden am Klapptisch. Ein Schweizer und ein US-Amerikaner. Schachbrett zwischen sich, Sonne im Rücken, alle Zeit der Welt.

Die Partie endete unentschieden. 1:1. Beide zufrieden. Beide haben die Cleverness des Gegners gelobt. Kein Verlierer. Kein Triumph. Nur Respekt.

Freundlich. Empathisch. Auf Augenhöhe.

Ein Beispiel, das sich ein anderer US-Amerikaner zu Gemüte führen sollte – einer, der Gewinnen nur als Unterwerfung kennt. Einer, für den jede Partie erst vorbei ist, wenn der Gegner am Boden liegt.

Diese zwei Herren auf dem Flugplatz Thun wissen etwas, das kein Milliardenvermögen lehrt: Gewinnen heisst nicht, den Anderen zu zerstören. Manchmal heisst es einfach: gut gespielt – auf beiden Seiten.

Schach ist das einzige Schlachtfeld, auf dem man sich danach die Hand gibt. Vielleicht sollte die Weltpolitik öfter Schach spielen – und weniger Poker.

Ein Speicher, ein Bauernhaus, ein Weg. Holz auf Holz, gewachsen über Generationen. Die Schindeln grau vom Wetter, die Ba...
21/05/2026

Ein Speicher, ein Bauernhaus, ein Weg. Holz auf Holz, gewachsen über Generationen. Die Schindeln grau vom Wetter, die Balken dunkel von der Zeit. Geranien am Fenster – weil jemand auch im Vergehen noch Farbe setzt.

Die Bäume daneben verlieren ihre Blätter. Nicht traurig. Nicht resigniert. Einfach so, wie es jedes Jahr ist. Sie wissen: Was fällt, kommt wieder. Was bleibt, hat Wurzeln.

Dieses Bild zeigt eine Schweiz, die niemand auf ein Plakat druckt. Keine Marke. Kein Slogan. Kein Tourismusbüro. Nur ein Hof, der steht, weil ihn jemand hält. Seit 100 Jahren. Vielleicht 200. Vielleicht mehr.

Und darin liegt die stille Philosophie: Bleiben ist keine Trägheit. Bleiben ist eine Entscheidung. Jeden Tag. Gegen die Rendite, gegen den Abbruch, gegen das «Hier könnte eine Überbauung stehen». Jemand hat sich entschieden: Das hier bleibt. So wie es ist. Weil es gut ist.

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