17/05/2022
Danke liebe Barbara Drucker/B.D. Winter für dein Vertrauen!
Es war mir eine Ehre, dich zu fotografieren.
Müssen Liebesromane zwangsläufig Schnulzen sein? Mir begegnet das Plakative in so vielen Genres. Kitsch und der Zwang zum Happy End in der Romance, Blutorgien und Effekthascherei im Thriller, kaputte Ermittler im Krimi. Und ganz ehrlich? Dieser seichte Einheitsbrei vermiest es mir zunehmend. Ich möchte nicht den hundertsten Roman nach Schema F lesen oder schreiben. Geschichten, die sich nur bei den Namen und (äußerst geringfügig) bei Cover und Titel unterscheiden. Aber ganz auf das Thema verzichten? Oh nein!
Ich differenziere schon lange zwischen Liebesroman und Romance. Liebesromane loten für mich beziehungstechnische und gesellschaftliche Tiefen aus und leben von einzigartigen Figuren. Meine Urszenen haben oft Liebe zum Gegenstand, Romantik, emotional fordernde Entscheidungen, Konflikt und Versöhnung oder Drama und Tragik. Bei Gegenwartsromanen ziehe ich als Leserin Liebesromane sogar vor, beim Thriller kommt es auf die Umsetzung an.
Liebesromane als vorhersehbare Kitschorgien aka Schnulzen langweilen mich. Aber Liebe als Konfliktstoff fasziniert mich enorm. Rahmenbedingungen für Liebe. Die Ausgangsfrage für "Das Gift der Schlange" war für mich, unter welchen Voraussetzungen eine Liebesbeziehung mit einem Mann möglich ist, dessen Leben davon abhängt, nicht den Falschen zu vertrauen. In "Shark Temptations" sind es die gesellschaftlichen und kulturellen Unterschiede, und die Liebesbeziehung schreibe ich genauso gerne wie den Spannungsteil. Liebesromane werden zu Unrecht belächelt, dabei handeln die größten Stoffe der Weltliteratur von der Liebe. Entscheidend ist, was man daraus macht.
Wenn Liebe nur die Draufgabe ist, das gedankenlos heruntergespulte Zusatzprogramm im Thriller oder Krimi oder historischen Roman, dann tut mir das weh. Dann hoffe ich geradezu, dass es kollegial bleibt und mir keine Liebesbeziehung untergejubelt wird. Weil ein Liebesroman, egal in welchem Genre er sich verbirgt, Dramaturgie und Sorgfalt und volle Aufmerksamkeit verdient.
Foto: Photobakery by Petra Maringer